Über Kapstadt kursieren zwei Erzählungen, und beide taugen nichts. Die eine macht aus der Stadt eine Kriegszone, in der man abends das Hotel nicht verlässt. Die andere winkt ab und nennt alles Panikmache. Die Wahrheit ist unbequemer: Die Gewaltkriminalität ist hoch, und sie trifft Reisende trotzdem selten, weil sie sich fast vollständig in Wohngebieten abspielt, die auf keiner Reiseroute liegen.
Was die Zahlen tatsächlich sagen
Die südafrikanische Polizei veröffentlicht ihre Zahlen je Revier. Für die 31 Reviere, die in Kapstadt für die Viertel dieser Seite zuständig sind, zählt die Statistik im Geschäftsjahr 2025/2026 zusammen 1.493 Morde. 68 Prozent davon entfallen auf fünf Reviere, nämlich Delft, Nyanga, Gugulethu, Khayelitsha und Mitchells Plain. Alle fünf liegen in den Cape Flats, der Sandebene östlich der Stadt.
Zum Vergleich der Innenstadt: Das Revier Cape Town Central, das die City Bowl, das Bo-Kaap und die Gegend um die Long Street abdeckt, meldet im selben Zeitraum sieben Morde. Es führt aber die landesweite Statistik beim einfachen Straßenraub an. Das ist ein anderes Phänomen: Dort geht es um Handys, Taschen und Uhren, nicht um Leben.
AchtungWer über Kapstadt liest, es sei die gefährlichste Stadt der Welt, liest eine richtige Statistik über die falsche Gegend. Die Zahlen, die diese Ranglisten füllen, stammen aus Vierteln, in denen kein Reisender je ankommt.
Warum eine Revierzahl nichts über ein Viertel sagt
Auf jeder Ortsseite steht das zuständige Revier mit seinen Zahlen. Eine Note für den Stadtteil steht dort nicht, und das hat einen Grund. Reviergrenzen decken sich nicht mit Stadtteilgrenzen, und gerade dort, wo es zählt, gehen sie weit auseinander.
Das Revier Muizenberg meldet für den genannten Zeitraum 87 Morde. Muizenberg ist der Surferort mit der Surfschule am Strand. Zum selben Revier gehören aber auch Vrygrond und Seawinds, und dort spielt sich ab, was die Zahl ausmacht. Eine Note für den Stadtteil aus dieser Zahl wäre schlicht falsch. Beim Revier Milnerton ist es dasselbe, dort gehört Du Noon dazu.
Die Regeln, die im Alltag wirklich helfen
Im Auto: Nichts sichtbar liegen lassen, auch keine Jacke und keine leere Tasche. An Ampeln Abstand zum Vordermann halten, damit du ausweichen kannst, und das Handy nicht in der Hand. Der Einbruch ins abgestellte Fahrzeug ist der häufigste Zwischenfall überhaupt, deshalb parkst du hinter einem Tor, wo es eines gibt.
Auf der Straße: Handy und Kamera in der Tasche, wenn du nicht gerade fotografierst. Keine Uhr, die auffällt. Wer nach dem Weg gefragt wird und dafür sein Telefon herausholt, macht genau das, worauf jemand wartet.
Am Geldautomaten: Nur in Einkaufszentren und Tankstellen, nie an der Straße, und nie mit fremder Hilfe. Wenn dich jemand ansprechen will, während die Karte im Schlitz steckt, brich ab.
Beim Wandern: Nicht allein. Auf dem Tafelberg und am Lion's Head kommen Überfälle auf einzelne Wanderer vor, und auf den Wegen ist oft niemand in Rufweite. Geh zu zweit, bleib auf den Hauptwegen, und plane so, dass du vor der Dämmerung unten bist. Der Berg fordert außerdem jedes Jahr Menschen, die ohne Wasser losgegangen sind.
Abends: In der City Bowl, in Sea Point, Green Point und an der Waterfront gehen Einheimische aus. Für den Rückweg nimmst du ein Taxi über eine App, auch für drei Straßen. Das ist keine Übervorsicht, das machen die Leute hier genauso.
Townships besuchen
Die Townships gehören zu Kapstadt, und sie zu besuchen ist kein Tabu. Der Unterschied liegt im Wie. Mit einer Führung, bei der jemand aus dem Viertel dich begleitet, ist ein Besuch üblich und in Ordnung. Auf eigene Faust hineinzufahren ist es nicht, und zwar nicht aus Vorsicht, sondern weil du dort ortsfremd, sichtbar und ohne Bezug bist.
Such dir eine Führung, bei der das Geld im Viertel bleibt. Und fotografiere Menschen nur, wenn du gefragt hast. Was für das Bo-Kaap gilt, gilt hier genauso: Das sind Wohnstraßen, keine Kulisse.
Wenn doch etwas passiert
Wehr dich nicht. Gib heraus, was verlangt wird. Handys und Taschen sind ersetzbar, und die Statistik zeigt, dass Verletzungen fast immer dann entstehen, wenn jemand festhält, was er in der Hand hat.
Danach brauchst du für die Versicherung eine Anzeige bei der Polizei mit einer Aktenzeichen-Nummer, auf Englisch case number. Die bekommst du auf jeder Wache. Sperr Karten und Handy, und melde den Verlust deines Reisepasses beim deutschen Generalkonsulat in Kapstadt.
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Alle Fallzahlen auf dieser Seite und auf den Ortsseiten stammen aus der Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei für das Geschäftsjahr 2025/2026, aufbereitet von safesuburb.co.za, und gelten je Polizeirevier. Es sind absolute Zahlen, keine Fälle je Einwohner: Ein Revier mit 300.000 Menschen meldet mehr als eines mit 20.000. Eine amtliche Einwohnerzahl je Revier gibt es nicht, deshalb rechnen wir hier nichts um. Notrufnummern geprüft im August 2026.