Programm

Sehenswertes in Kapstadt

Punkt zwölf fällt auf dem Signal Hill ein Schuss, und über dem Hafen gehen die Möwen kurz hoch. Werktags ist das so, seit dort am 4. August 1902 das erste Signal gefeuert wurde. Sonntags und an Feiertagen bleibt es still.

Die Ziele dieser Stadt liegen weit auseinander. Zwischen der Seilbahn am Tafelberg und dem Pinguinsteg bei Simon's Town liegt eine gute Autostunde, und dazwischen passt kaum etwas anderes in den Tag. Sortier dein Programm deshalb nach Zeitbedarf, nicht nach Rang. Was du eher tust als ansteuerst, Wanderungen, Strände, Märkte, steht unter Freizeit.

Der Tafelberg und seine Seilbahn

Die Seilbahn fährt seit dem 4. Oktober 1929. Gebaut hat sie Adolf Bleichert & Co. aus Leipzig, nach Plänen des Norwegers Trygve Strømsøe. Seit 1997 hängen dort die Drehkabinen der Schweizer Garaventa: Der Boden dreht sich während der Fahrt, sodass jeder einmal in jede Richtung sieht. In eine Kabine passen 65 Menschen, in die alten passten 25, und oben ist man nach vier bis fünf Minuten.

Die Bergstation liegt auf 1.067 Metern. Rund eine Million Menschen fahren im Jahr hinauf, im Januar 2019 zählte der Betreiber den 28-millionsten Fahrgast. Voll ist es in der Mitte des Tages. Der Betreiber zeigt die Wartezeiten an beiden Stationen auf seiner Website an; früh am Morgen und in der letzten Stunde vor der letzten Bergfahrt stehst du kürzer, und das Licht ist dann ohnehin besser.

Der Wind entscheidet, ob überhaupt gefahren wird. Von Oktober bis März weht er aus Südosten. Die Kapstädter nennen ihn Cape Doctor. Bei starkem Wind bleibt die Bahn stehen, manchmal einen halben Tag, manchmal drei Tage am Stück. Der Betreiber zeigt auf seiner Website Temperatur, Sicht und Windstärke des Tages an und betreibt eine Webcam am Berg. Wann dieser Wind weht und wie lange, steht unter Reisezeit.

Unser TippLeg den Tafelberg nicht auf den letzten Reisetag. Wenn der Südostwind drei Tage durchhält, verlierst du den Berg ganz, und der Rückflug lässt sich nicht verschieben. Setz ihn früh an und halte dir zwei weitere Tage als Ersatz frei.

Die Wolke, die bei Südostwind über die Kante fließt und an der Wand wieder verschwindet, heißt Tischdecke. Meteorologisch ist sie schnell erklärt: Der Wind muss über den Berg und kühlt beim Aufsteigen ab, bis die Feuchtigkeit kondensiert. Die ältere Erklärung ist schöner. Ein Pirat namens Van Hunks soll auf dem Devil's Peak gegen den Teufel um die Wette geraucht haben, und der Rauch liegt bis heute da.

Zur Höhe des Bergs stehen zwei Zahlen nebeneinander, und beide stimmen. 1.084,6 Meter gelten für den Berg, 1.086 Meter für Maclear's Beacon am östlichen Ende des Plateaus. Wofür dieser Steinhaufen gebaut wurde, welche Wege hinauf führen und wann die Seilbahn stillsteht, steht unter Tafelberg.

Seilbahn seit
1929Drehkabinen seit 1997
Bergstation
1.067 mMaclear's Beacon 1.086 m
Fahrzeit
4 bis 5 Minuten65 Personen je Kabine
Pflanzenarten
2.285auf der ganzen Kaphalbinsel

Robben Island

Die Fähre legt am Nelson Mandela Gateway an der Waterfront ab, dreimal am Tag. Rechne mit dreieinhalb Stunden für alles zusammen, Überfahrt hin und zurück eingerechnet. Auf der Insel fährst du zuerst mit dem Bus über das Gelände, danach geht es zu Fuß durch den Hochsicherheitstrakt. Bei starkem Wind und hohem Seegang fällt die Überfahrt aus, und im Südsommer passiert das oft.

Die Führung durch den Zellentrakt machen ehemalige politische Gefangene. Diese Angabe steht seit Jahrzehnten in Reiseführern, und sie hat ein Verfallsdatum, das sich ausrechnen lässt: Das Hochsicherheitsgefängnis schloss 1991. Wer dort saß, ist heute mindestens Mitte fünfzig, die meisten sind deutlich älter. Ob an deinem Tag einer von ihnen führt, sagt dir vorher niemand zu.

Die Insel war lange vor dem Gefängnis ein Ort, an den man Menschen schaffte. Ab 1845 kamen Leprakranke her, zunächst freiwillig. Der Leprosy Repression Act vom Mai 1892 machte daraus Zwang: 338 Menschen wurden 1892 eingewiesen, 250 weitere im Jahr darauf. Dazu kamen eine Tierquarantäne und im Zweiten Weltkrieg schwere Geschütze zur Verteidigung der Bucht. Seit 1999 steht die Insel auf der Welterbeliste.

Kap der Guten Hoffnung und Cape Point

Beide liegen am Südende der Kaphalbinsel, 2,3 Kilometer voneinander entfernt, und beide tragen einen Irrtum mit sich herum. Hier treffen sich weder Atlantik und Indischer Ozean noch endet hier Afrika. Der südlichste Punkt des Kontinents ist Kap Agulhas, rund 150 Kilometer ostsüdöstlich, und die Grenze zwischen kaltem und warmem Wasser wandert irgendwo zwischen den beiden Kaps hin und her. Wie du den Tag dort unten planst, steht unter Umgebung.

Die Pinguine am Boulders Beach

1982 brüteten zwei Paare zwischen den Granitblöcken bei Simon's Town. Heute sind es rund 3.000 Vögel. Geholfen hat dabei das Verbot der kommerziellen Ringwadenfischerei in der False Bay, das den Tieren Sardinen und Sardellen vor der Haustür ließ. Die Kolonie gehört zum Table Mountain National Park, und über die Foxy Beach führt ein Holzsteg bis auf wenige Meter an die Nester.

Das ist die Erfolgsgeschichte, und sie wird überall erzählt. Sie gilt für den Strand. Für die Art gilt sie nicht: Der Brillenpinguin wird seit 2024 als vom Aussterben bedroht geführt, mit etwa 19.800 erwachsenen Tieren. Um 1910 waren es geschätzt 1,5 Millionen, im frühen 19. Jahrhundert rund vier Millionen. 2023 lag die Zahl der Brutpaare in Südafrika und Namibia zusammen unter 10.000. Am 18. März 2025 einigten sich Naturschutzverbände und Behörden vor Gericht auf dauerhafte, größere Fischereisperrzonen um sechs wichtige Brutplätze.

Baden darfst du dort, aber nicht am Steg. Die Foxy Beach ist zum Schauen da, geschwommen wird an den Buchten daneben, wo dir die Vögel höchstens zwischen den Beinen durchlaufen. Halt Abstand, füttere nichts, und fass keinen an. Der Schnabel ist ein Werkzeug zum Fischefangen, und er funktioniert auch an einer Hand.

Kirstenbosch und das Kapensische Florenreich

Der Garten liegt an der Ostflanke des Bergs, über 528 Hektar, gegründet am 1. Juli 1913. Sein erster Direktor Henry Harold Pearson arbeitete ohne Gehalt. Kirstenbosch war der erste botanische Garten der Welt, der mit dem Anspruch antrat, die einheimische Flora seines Landes zu zeigen statt Exoten aus aller Welt. Die Kampferbaumallee stammt von 1898, und ein Stück Wildmandelhecke, die Jan van Riebeeck 1660 als Grenzwall pflanzen ließ, steht immer noch.

Der Baumwipfelpfad heißt bei allen nur Boomslang, nach der grünen Baumschlange. Er schwingt sich in einer langen Kurve durch die Kronen, aus Stahl und Holz, und wackelt spürbar, wenn viele darauf stehen. Offiziell trägt er den Namen Centenary Tree Canopy Walkway, weil er zum hundertsten Geburtstag des Gartens entstand. Geh früh: Vormittags gehört der Pfad noch dir.

Was Kirstenbosch zeigt, ist ein Ausschnitt aus etwas botanisch Einmaligem. Das Kapensische Florenreich hat über 9.000 Gefäßpflanzenarten, von denen 69 Prozent nirgendwo sonst vorkommen. Es misst 78.555 Quadratkilometer und ist damit das kleinste der sechs Florenreiche der Erde, liegt aber auf weniger als 0,5 Prozent der Landfläche Afrikas und trägt rund 20 Prozent seiner Pflanzenvielfalt. Seit 2004 steht es auf der Welterbeliste, 2015 wurde das Gebiet erweitert.

Die Vegetation dahinter heißt Fynbos, hartlaubiges Buschwerk auf sauren, nährstoffarmen Böden, das ohne Feuer nicht auskommt. Auf der ganzen Kette der Kaphalbinsel wachsen 2.285 Pflanzenarten, rund 80 Prozent davon Fynbos. Allein 1.500 Arten drängen sich auf den 57 Quadratkilometern von Tafelberg und Back Table. Diese Dichte ist außerhalb der Tropen nirgendwo auf der Welt größer.

Bo-Kaap, District Six und die alte Stadt

Das Bo-Kaap hat die größte Ansammlung von Bauten vor 1850 in Südafrika, dazu die Auwal-Moschee von 1794 in der Dorp Street, die erste des Landes. Die bunten Fassaden erklären die meisten Texte als Freiheitsgeste nach dem Ende der Sklaverei: Mietshäuser mussten weiß bleiben, wer kaufte, strich an. Belegt ist das schlecht. Vieles spricht dafür, dass die Farben erst im späten 20. Jahrhundert aufkamen. Was dagegen feststeht: Im März 2019 beschloss die Stadt eine Schutzzone über rund 600 Privathäuser, im Mai 2019 wurden 19 Orte im Viertel zum nationalen Kulturerbe erklärt.

Und dann die Sache mit den Fotos. Das Bo-Kaap ist ein Wohnviertel, keine Kulisse. Hinter den Türen wohnen Leute, die jeden Tag Reisegruppen vor ihrem Fenster stehen haben. Frag, bevor du jemanden fotografierst, und stell dich nicht auf fremde Treppenstufen.

Wenige hundert Meter weiter östlich fehlt ein ganzes Viertel. District Six wurde am 11. Februar 1966 zum Weißengebiet erklärt, ab 1968 begannen die Räumungen, und bis 1982 waren über 60.000 Menschen in die Cape Flats verfrachtet, rund 25 Kilometer weit. Die Häuser fielen, stehen blieben die Kirchen und Moscheen. Das Museum gibt es seit 1994, und sein stärkstes Stück liegt auf dem Boden: eine große Straßenkarte des Viertels, auf der ehemalige Bewohner ihre Adressen mit der Hand eingetragen haben.

Am 11. Februar 2004, auf den Tag 38 Jahre nach der Umwidmung, übergab Nelson Mandela die ersten Schlüssel an Rückkehrer: Ebrahim Murat, damals 87, und Dan Ndzabela, 82. Rund 1.600 Familien sollten in den drei Jahren darauf folgen. Wer heute durch die Brachen läuft, sieht, wie zäh das geworden ist.

Das Castle of Good Hope steht seit 1666 an einer Stelle, an der damals das Meer anfing. Der erste Stein lag am 2. Januar 1666, 1679 war die Fünfeckanlage fertig, und am 26. April 1679 bekamen die fünf Bastionen die Titel Wilhelms III. von Oranien als Namen: Leerdam, Buuren, Katzenellenbogen, Nassau und Oranje. Durch Landgewinnung liegt die Festung längst im Binnenland. Werktags um zehn öffnen die Wachen sie mit der Key Ceremony, einem Ritual nach dem Drill von vor dreihundert Jahren.

Der Company's Garden nebenan ist der Grund, warum es Kapstadt gibt. Am 29. April 1652 stach Hendrik Boom hier den ersten Spaten in den Boden, um Schiffe der Kompanie mit frischem Gemüse zu versorgen. Übrig sind 3,2 Hektar Park mit dem ältesten kultivierten Birnbaum des Landes, einem Rosengarten von 1929 und sehr zutraulichen Eichhörnchen. Ringsum stehen Parlament, Nationalgalerie, Südafrikanisches Museum und die Slave Lodge. Das füllt einen halben Tag.

An der Waterfront

Die V&A Waterfront zählt 24 Millionen Besucher im Jahr. Ein arbeitender Hafen ist sie trotzdem geblieben: Zwischen den Restaurants liegen Fischkutter und Versorger. Der Name kommt von Königin Victoria und ihrem Sohn Alfred, der am 17. September 1860 den ersten Stein für den Wellenbrecher kippte. Die Becken entstanden bis 1920, der Uhrturm steht seit 1882, und die heutige Anlage geht auf eine Entwicklungsgesellschaft vom November 1988 zurück.

Im alten Getreidesilo daneben sitzt seit dem 22. September 2017 das Zeitz MOCAA, das größte Museum für zeitgenössische Kunst aus Afrika und seiner Diaspora. Der Bau von 1921 bis 1924 war 57 Meter hoch und bestand aus 42 dicht gepackten Betonröhren. Thomas Heatherwick ließ ab 2014 einen Teil davon herausschneiden, sodass in der Mitte ein Raum entstand, der an ein Kirchenschiff erinnert. Über 500 Millionen Rand steckte die Waterfront bis zur Eröffnung 2017 hinein, neun Etagen, rund 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Das Two Oceans Aquarium ist seit dem 13. November 1995 im Haus, mit über 300 Arten und rund 8.000 Tieren. Was das Haus zeigt, was die Station für verletzte Seeschildkröten tut und für wen sich der Besuch lohnt, steht unter Two Oceans Aquarium.

Groot Constantia

1685 bekam Simon van der Stel das Land am Hang über Constantia, und daraus wurde das älteste Weingut Südafrikas. Der Süßwein von hier war im 18. und 19. Jahrhundert in halb Europa bekannt, dann riss die Produktion ab; erst 2003 wurde mit dem Grand Constance wieder einer gekeltert, der erste seit den 1880er Jahren. Der Keller stammt von 1791, das Herrenhaus brannte 1925 aus und wurde als kapholländischer Bau wieder aufgebaut. Seit 1969 gehört es zum kulturhistorischen Museum, seit 1993 trägt ein Treuhandverein das Gut.

Häufige Fragen

Warum sollte man den Tafelberg früh in der Reise einplanen?

Die Seilbahn auf den Tafelberg steht bei starkem Südostwind still, und dieser Wind hält von Oktober bis März oft mehrere Tage am Stück durch. Wer den Berg auf den letzten Reisetag legt, hat keinen Ersatztermin mehr. Plan ihn früh ein und halt dir zwei weitere Tage frei.

Was ist die Tischdecke über dem Tafelberg?

Die Tischdecke ist die Wolke, die bei Südostwind über die Kante des Tafelbergs fließt und an der Steilwand wieder verdunstet. Der Wind steigt am Osthang auf, kühlt dabei ab, und die Feuchtigkeit kondensiert. Die Kapstädter Sage erklärt sie als Rauch aus einem Wettrauchen zwischen dem Teufel und einem Piraten namens Van Hunks.

Wie lange dauert ein Besuch auf Robben Island?

Der Besuch auf Robben Island vor Kapstadt dauert rund dreieinhalb Stunden, die Überfahrt in beide Richtungen eingerechnet. Die Fähren legen am Nelson Mandela Gateway an der V&A Waterfront ab, dreimal am Tag. Bei starkem Wind und hohem Seegang fahren sie nicht.

Wie groß ist die Pinguinkolonie am Boulders Beach?

Aus zwei Brutpaaren im Jahr 1982 sind am Boulders Beach bei Simon's Town rund 3.000 Vögel geworden. Für die Art selbst gilt dieser Verlauf nicht: Der Brillenpinguin steht seit 2024 auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion als vom Aussterben bedroht, mit etwa 19.800 erwachsenen Tieren.

Darf man am Boulders Beach schwimmen?

Am Boulders Beach bei Simon's Town darfst du ins Wasser, aber nicht überall. Der Holzsteg an der Foxy Beach führt an der Kolonie entlang und ist zum Schauen da, gebadet wird an den Buchten daneben. Die Pinguine sind Wildtiere und beißen, wenn man ihnen zu nah kommt.

Ist das Castle of Good Hope das älteste Gebäude Südafrikas?

Das Castle of Good Hope in Kapstadt gilt als ältestes erhaltenes Gebäude Südafrikas. Der erste Stein lag am 2. Januar 1666, fertig war die Fünfeckanlage 1679. Der Vorgängerbau von 1652 aus Lehm und Holz existiert nicht mehr, und an dem Wort erhalten hängt die ganze Aussage.