Das Bo-Kaap liegt am Osthang des Signal Hill, gleich oberhalb des Zentrums. Zu Fuß bist du in einer Viertelstunde in der Long Street, und du merkst jeden Meter davon, weil es steil hoch geht. Die Straßen sind eng, teils noch Kopfsteinpflaster, und an jeder Ecke steht ein Auto quer.
Der Zensus führt das Viertel unter seinem amtlichen Namen Schotschekloof. Bo-Kaap heißt auf Afrikaans schlicht „oberhalb des Kaps“, und lange hieß es im Deutschen Malaienviertel. Der Name führt in die Irre. Die Vorfahren der heutigen Bewohner kamen ab dem späten 17. Jahrhundert als Versklavte und Verbannte an das Kap, aus Indonesien, Indien, Sri Lanka, Madagaskar und Ostafrika, und Malaysia war nur eine Herkunft unter vielen. Geblieben ist der Islam, und geblieben sind die Moscheen.
Die älteste steht in der Dorp Street. Die Auwal-Moschee wurde 1794 gegründet, auf dem Grundstück einer freigelassenen Frau, und sie ist die erste Moschee Südafrikas. Ihr erster Imam war ein aus Indonesien verbannter Gelehrter, den man Tuan Guru nannte. Er hatte im Gefängnis auf Robben Island den Koran aus dem Gedächtnis niedergeschrieben.
Woher die Farben wirklich kommen
Die Geschichte, die dir jede Tour erzählt, geht so: Unter der Sklaverei mussten die Häuser weiß bleiben, und nach der Abschaffung 1834 strichen die Menschen sie bunt, aus Freude über die Freiheit. Die Geschichte ist schön. Sie stimmt in dieser Form nicht.
Was sich belegen lässt: Die Häuser gehörten lange weißen Eigentümern und waren vermietet, und in den Mietverträgen stand Weiß als Vorgabe. Bunt wurde das Viertel erst, als die Bewohner ihre Häuser kaufen konnten, und das war im Wesentlichen in den neunziger Jahren. Die Farbe ist also keine Geste von 1834, sondern eine von nach der Apartheid. Das macht sie nicht kleiner. Es macht sie nur jünger, als die Postkarte behauptet.
Ein Viertel, das um sich selbst kämpft
Seit den 2000er Jahren steigen hier die Grundstückswerte schneller als fast überall in der Stadt. Wer erbt, kann die kommunalen Abgaben oft nicht mehr zahlen. Wer verkauft, verkauft meist nach außerhalb.
2019 hat der Stadtrat das Bo-Kaap deshalb in eine Heritage Protection Overlay Zone aufgenommen, im März, nach einem öffentlichen Verfahren, das die Bewohner selbst angestoßen hatten. Im selben Jahr wurden zusätzlich 19 Stellen im Viertel als nationale Denkmäler ausgewiesen. Bauen und Umbauen ist seitdem an Auflagen gebunden. Ob das reicht, ist die Frage, über die hier gestritten wird.
Wie du dich hier bewegst
Das Bo-Kaap ist kein Freilichtmuseum. Es ist eine Wohngegend, und die berühmten Fassaden sind Haustüren, hinter denen Leute frühstücken. Frag, bevor du jemanden fotografierst, und geh nicht auf die Stufen, die zu einem Haus gehören. Am Wochenende ist es voller, weil dann die Reisebusse in der Wale Street stehen. Wer die Gassen leer sehen will, kommt früh.
Nachts wirkt das Viertel ruhig, und der Weg hinunter ins Zentrum führt an Ecken vorbei, an denen abends wenig los ist. Nimm für den Rückweg ein Taxi über eine App, so wie du es in der ganzen Innenstadt tun würdest.
- Vom Zentrum
- 1,4 kmLuftlinie zur Grand Parade
- Einwohner
- 3.203Zensus 2011, sub place Schotschekloof
- MyCiTi
- fährtLinien 101, 106, 107, 111 und weitere
- Unterkünfte
- 8Preisniveau 4 von 5
Unser TippGeh die Chiappini Street hoch statt der Wale Street. Dieselben Farben, dieselbe Aussicht auf den Tafelberg am Ende der Gasse, und du stehst niemandem im Bild.
Sicherheit in Bo-Kaap
Zuständig ist das Polizeirevier Cape Town Central. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für Bo-Kaap allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.
- Morde
- 7
- Straßenraub
- 1.428ohne Waffe
- Raub mit Waffe
- 516auch Überfälle auf Fahrzeuge
- Autoraub
- 16
- Wohnungseinbruch
- 206
Gemeldete Fälle im Revier Cape Town Central, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.
Übernachten in Bo-Kaap
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Bo-Kaap: häufige Fragen
Sind die bunten Häuser im Bo-Kaap wirklich seit der Sklavenbefreiung bemalt?
Nein. Die Erzählung, die Bewohner hätten ihre Häuser nach der Abschaffung der Sklaverei 1834 aus Freude bunt gestrichen, ist verbreitet, aber historisch nicht gedeckt. Die Häuser waren lange vermietet und mussten weiß bleiben; bunt wurden sie im Wesentlichen erst in den neunziger Jahren, als die Bewohner sie kaufen konnten.
Darf man im Bo-Kaap fotografieren?
Die Straßen des Bo-Kaap sind öffentlich, die Häuser dahinter aber bewohnt. Fotografiere die Fassaden, frag bei Menschen vorher, und stell dich nicht auf die Stufen, die zu einer Haustür gehören. Das Viertel ist eine Wohngegend und kein Freilichtmuseum.
Welche Moschee im Bo-Kaap ist die älteste?
Die Auwal-Moschee in der Dorp Street im Bo-Kaap wurde 1794 gegründet und ist die erste und älteste Moschee Südafrikas. Ihr erster Imam war der aus Indonesien verbannte Gelehrte Tuan Guru, der den Koran im Gefängnis auf Robben Island aus dem Gedächtnis niedergeschrieben hatte.
Warum heißt das Bo-Kaap auch Malaienviertel?
Der Name Malaienviertel geht auf die Bezeichnung Kapmalaien zurück, führt aber in die Irre. Die Vorfahren der Bewohner des Bo-Kaap kamen als Versklavte und Verbannte aus Indonesien, Indien, Sri Lanka, Madagaskar und Ostafrika, und Malaysia war nur eine Herkunft unter mehreren.
Kann man im Bo-Kaap wohnen?
Im Bo-Kaap gibt es Gästehäuser und Ferienwohnungen, und du bist von dort in einer Viertelstunde zu Fuß im Zentrum. Rechne mit steilen Gassen und knappen Parkplätzen, und bedenk, dass gerade Ferienwohnungen im Viertel umstritten sind, weil sie die Preise für Alteingesessene treiben.
