Herkunft

Die Geschichte Kapstadts

In Kirstenbosch, am Osthang des Tafelbergs, wächst eine Hecke aus wilden Mandelbäumen. Gepflanzt wurde sie 1660, und ihr Zweck war, Menschen und ihr Vieh draußen zu halten. Sie steht heute unter Denkmalschutz.

Fast jede deutschsprachige Darstellung dieser Stadt fängt am 6. April 1652 an, mit drei Schiffen in der Tafelbucht und einem Mann namens Jan van Riebeeck. Das ist bequem, weil ab da geschrieben wurde. Es ist der Punkt, an dem die Aufzeichnung beginnt, nicht der, an dem die Geschichte beginnt.

Wer 1652 anfängt, lässt die Menschen weg, die hier lebten. Und er lässt ein portugiesisches Datum weg, das erklärt, warum am Kap anderthalb Jahrhunderte lang niemand siedelte, obwohl jedes Schiff nach Indien daran vorbeifuhr.

Wer vor den Europäern am Kap lebte

Drei Wörter gehen durcheinander, und sie meinen nicht dasselbe. San bezeichnete in der Khoekhoe-Sprache ursprünglich Menschen ohne Vieh, die sammelten und jagten, also eine Wirtschaftsform und keine Volksgruppe. Khoikhoi, heute meist Khoekhoe geschrieben, sind die Viehhalter; der Name heißt so viel wie Menschen der Menschen. Khoisan ist keine alte Bezeichnung, sondern ein Wort aus der Wissenschaft: Leonhard Schultze-Jena prägte es in den zwanziger Jahren, Isaac Schapera machte es bekannt.

Hottentotte und Buschmann sind Kolonialwörter und gelten heute als beleidigend. Nach dem Ende der Apartheid haben Verbände in Südafrika Khoisan und Khoe-San als Selbstbezeichnung übernommen, seit einigen Jahren auch First Nations. San-Vertretungen lehnen es zum Teil ab, mit den Khoekhoe in einen Topf geworfen zu werden.

Unser TippKhoi, Khoisan und San sind gebräuchlich, Khoekhoe ist die genaueste Schreibweise für die Viehhalter. Hottentotte und Buschmann sagst du nicht, auch nicht als Zitat aus einem alten Reisebericht.

Wie weit die Besiedlung der Halbinsel zurückreicht, lässt sich schlechter beantworten als anderswo in Südafrika, und daran ist die Grabungsgeschichte schuld. Victor Peers und sein Sohn Bertie gruben ab Mai 1927 in der Höhle Skildergat über Fish Hoek, mit Pickel, Schaufel und stellenweise Dynamit.

Ihr bekanntester Fund, der Fish Hoek Man, galt zuerst als 35.000 Jahre alt. Eine Radiokarbonmessung von Deano Stynder und Kollegen, 2009 im Journal of Human Evolution veröffentlicht, kam nach Korrektur des marinen Reservoireffekts auf rund 7.200 Jahre. Das Skelett ist damit jünger als der Ackerbau in Mesopotamien, und die Schichten, aus denen man mehr hätte lesen können, sind fort.

Sicher ist etwas anderes: Vieh kam spät. Südlich des Oranje gibt es vor etwa 1000 nach Christus keine Belege für größere Herden. Als die Europäer auftauchten, lebten an der Tafelbucht die Goringhaiqua und die Gorachouqua, dazu die Goringhaicona am Strand, die die Holländer Strandlopers nannten. Ihr Wasser holten sie an den Quellen unter dem Berg, und sie nannten es Camissa, süßes Wasser. Der Name gilt bis heute für die Quellen der City Bowl.

Zwei portugiesische Daten und ein Toter in der Tafelbucht

Am 12. März 1488 rundete Bartolomeu Dias das Kap und nannte es Cabo das Tormentas, Kap der Stürme. König Johann II. taufte es um in Cabo da Boa Esperança, weil sich damit der Seeweg nach Indien öffnete. 1497 fuhr Vasco da Gama daran vorbei und bis nach Indien durch. Der südlichste Punkt Afrikas ist das Kap der Guten Hoffnung übrigens nicht. Das ist Kap Agulhas, rund 150 Kilometer weiter östlich.

Am 1. März 1510 ging ein Landungskommando des portugiesischen Vizekönigs Francisco de Almeida gegen ein Khoekhoe-Dorf vor. Vorausgegangen war ein Streit um Rinder, und der portugiesische Chronist Gaspar Correa gab die Schuld daran den eigenen Leuten. Etwa 150 Portugiesen trieben Vieh weg. Rund 170 Khoekhoe griffen an, mit Steinen, feuergehärteten Speeren und dressierten Ochsen als lebender Deckung.

64 Portugiesen starben, darunter Almeida selbst und elf Kapitäne. Danach hielten portugiesische Schiffe strenger als zuvor daran fest, hier nicht an Land zu gehen, und überließen die Bucht den Holländern, Engländern und Franzosen. Wo das Dorf lag, ist strittig; genannt werden Observatory und Mowbray.

1652, und was der Auftrag ausdrücklich nicht war

Van Riebeeck kam mit drei Schiffen und einem engen Auftrag: ein Garten, ein Hospital, frisches Wasser und Fleisch für die Schiffe auf dem Weg nach Batavia. Eine Kolonie zu gründen stand nicht darin, Mission auch nicht, Landnahme schon gar nicht. Drei Wochen nach der Landung fing der Obergärtner Hendrik Boom an umzugraben, und aus diesem Beet wurde die Company's Garden.

Die Wende kam fünf Jahre später. 1657 vergab die Kompanie Weideland am Liesbeek an Freibürger, an Männer also, die nicht mehr für sie arbeiteten, sondern für sich. Das Land war Weidegrund der Khoekhoe. Ab da war das Kap eine Kolonie, und 1659 begann der erste Krieg zwischen Khoekhoe und Holländern.

1660 ließ van Riebeeck eine Hecke pflanzen, aus wilden Mandelbäumen und Brombeeren, quer über die Landenge zwischen Berg und Fluss. Sie war keine Zierde. Sie sollte die Khoekhoe und ihre Rinder von dem Land fernhalten, das ihnen gerade genommen worden war. Reste stehen in Kirstenbosch und auf dem Gelände von Bishopscourt, geschützt als Provincial Heritage Site.

Was die Hecke nicht schaffte, schafften Krankheiten. 1713 brachte ein Schiff die Pocken ans Kap. Die Khoekhoe hatten keine Immunität, ihre Zahl brach ein, und die Kompanie zäunte in denselben Jahren weiter Land ein.

Die Sklaverei, die hundertachtzig Jahre dauerte

Die Versorgungsstation brauchte Arbeitskräfte, und sie holte sie sich. 1653 kam der erste versklavte Mensch an, in den Papieren Abraham van Batavia. 1658 legten zwei Schiffe an: das eine mit rund 250 Menschen aus Angola, aufgebracht von einem portugiesischen Sklavenschiff, das andere mit 228 aus Westafrika. Verschleppt wurde danach vor allem aus Madagaskar, Mosambik, Indien, Ceylon und dem indonesischen Archipel, nicht aus dem südafrikanischen Hinterland.

1679 baute die Kompanie die Slave Lodge am oberen Ende der Adderley Street, ausgelegt auf bis zu fünfhundert Menschen. Das Gebäude steht und ist heute ein Museum. 1833 zählte die Kapkolonie 38.427 Versklavte. Auf dem Land war es dasselbe Bild: Auf Groot Constantia wurde hundertfünfzig Jahre lang mit Sklavenarbeit gewirtschaftet.

Der Handel wurde ab 1808 verboten, die Sklaverei selbst 1834 abgeschafft. Frei war damit noch niemand. Bis 1838 mussten die Freigelassenen als apprentices bei ihren bisherigen Besitzern weiterarbeiten, vier Jahre lang. Wo sie danach wohnten, siehst du an den kleinen Häusern in De Waterkant, die Handwerker und Freigelassene bauten und bezogen.

Der Islam kam mit den Verbannten. 1694 brachte ein Schiff Scheich Yusuf von Makassar ans Kap, mit 49 Begleitern; untergebracht wurde er auf der Farm Zandvliet östlich der Stadt, wo er 1699 starb. Ein Jahrhundert später kam ein anderer Verbannter aus dem indonesischen Archipel. Im Gefängnis auf Robben Island schrieb er den Koran aus dem Gedächtnis nieder. Man nannte ihn Tuan Guru, und 1794 wurde er erster Imam der Auwal-Moschee in der Dorp Street im Bo-Kaap, der ersten Moschee Südafrikas.

Kap-Malaien heißt diese Gemeinschaft bis heute, und der Name führt in die Irre. Malaysia war eine Herkunft unter vielen, neben Indonesien, Indien, Sri Lanka, Madagaskar und Ostafrika. Die gemeinsame Klammer war nie die Herkunft, sondern der Glaube.

Hugenotten, Wein und zwei britische Besetzungen

1688 und 1689 kamen 180 Hugenotten aus Frankreich und 18 Wallonen ans Kap. Simon van der Stel wies ihnen Land in Drakenstein zu und in einem Tal, das ab 1694 Franschhoek hieß, französische Ecke. Wein wurde am Kap schon seit 1659 gemacht. Erst mit ihnen wurde daraus ein Gewerbe, das etwas taugte.

Ihre Sprache schaffte die Kompanie derweil ab. Ab 1701 wurde nur noch auf Niederländisch unterrichtet, 1707 war Französisch aus allen Amtsvorgängen verschwunden, 1710 hielt der letzte französische Prediger seinen Gottesdienst. Nach zwei Generationen sprach kaum eine Familie es noch zuhause.

1795 landeten die Briten und nahmen nach der Schlacht bei Muizenberg das Kap. 1803 gaben sie es im Frieden von Amiens an die Batavische Republik zurück. Am 8. Januar 1806 holten sie es sich in der Schlacht bei Blaauwberg wieder, in Sichtweite des Strandes von Bloubergstrand. Auf dem Papier britisch wurde das Kap erst 1814, im niederländisch-britischen Vertrag.

Diamanten, Gold und eine Stadt, die aus den Nähten ging

Am Kap selbst wurde nichts gefunden. Trotzdem haben die Funde im Landesinneren Kapstadt stärker verändert als alles seit 1652: 1867 Diamanten in Griqualand West, 1886 Gold am Witwatersrand. Wer dorthin wollte, kam über Kapstadt. Zwischen 1891 und 1901 verdoppelte sich die Einwohnerzahl von 67.000 auf 171.000.

Der Hafen kam nicht mit. 1858 zerstörte ein Sturm in der Tafelbucht dreißig Schiffe, und ab 1860 baute die Kolonialregierung den ersten Wellenbrecher. Daraus wurde das Victoria and Alfred Basin. Der Foreshore, die flache Fläche zwischen Innenstadt und Hafen, ist aufgeschüttetes Land: 1945 waren 194 Hektar fertig. Wer heute vom Rathaus Richtung Wasser läuft, geht die letzten Meter über früheren Meeresboden.

1901, und warum die Trennung älter ist als die Apartheid

Im Februar 1901 kam die Beulenpest mit dem Schiffsverkehr nach Kapstadt. Die Behörden griffen zu Notstandsbefugnissen aus dem Gesundheitsrecht, und sie richteten sie gegen eine Gruppe. Mehrere tausend schwarze Einwohner wurden aus der Innenstadt auf eine Staatsfarm bei Uitvlugt gebracht, nach einigen Darstellungen unter aufgepflanztem Bajonett. Die Angaben reichen von rund 5.000 bis 7.000 Menschen.

Aus dem Lager wurde die Siedlung Ndabeni, das erste schwarze Township der Stadt. 1927 wurde sie geräumt, weil nebenan Langa fertig war. Auf dem alten Gelände steht heute Gewerbe, und die Nachfahren der Vertriebenen bekamen einen Teil davon erst 1997 zugesprochen.

Der Historiker Maynard Swanson hat 1977 im Journal of African History beschrieben, was da passiert ist, und den Begriff dafür geprägt: sanitation syndrome. Die Seuche lieferte das Bild, in dem Wohnort und Ansteckung, Hautfarbe und Gefahr zu einem einzigen Gedanken zusammenrutschten, und dieser Gedanke blieb im Verwaltungshandeln hängen, lange nachdem die Pest weg war. Die räumliche Trennung Kapstadts nach Hautfarbe beginnt 1901, nicht 1948.

Formalisiert wurde sie in Schritten. 1910 entstand die Südafrikanische Union. 1913 verbot der Natives Land Act schwarzen Südafrikanern, außerhalb festgelegter Reservate Land zu kaufen oder zu pachten; sieben Prozent der Landesfläche blieben ihnen, später dreizehn. 1923 zwang der Natives (Urban Areas) Act sie in den Städten in ausgewiesene Locations.

Die Gesetze, die Kapstadt zerschnitten

1948 gewann die Nationalpartei die Wahl, und ab 1950 kam das Gerüst. Der Population Registration Act, in Kraft seit dem 7. Juli 1950, wies jeden Menschen im Land einer Gruppe zu: schwarz, weiß oder coloured, letztere noch einmal untergliedert. Entschieden wurde nach Aussehen, Haussprache, Wohngegend, Bekanntenkreis und dem, was die Nachbarschaft über jemanden sagte.

Es gab dagegen Anträge, und es gibt Statistik dazu. 1982 wurden 1.189 Umstufungen beantragt und 997 bewilligt, darunter 772 Menschen, die von coloured zu weiß wechselten. Aufgehoben wurde das Gesetz am 17. Juni 1991.

Der Group Areas Act, ebenfalls von 1950 und ab dem 30. März 1951 in Kraft, wies ganze Stadtteile einer Gruppe zu. Wer nicht hineinpasste, musste weg. 1957 und 1966 wurde er verschärft, aufgehoben wurde er am 30. Juni 1991. Er ist das Gesetz, das die Karte dieser Stadt bis heute prägt.

Dazu kamen die Passgesetze. Ab 1952 mussten alle schwarzen Südafrikaner über sechzehn ein Passbuch bei sich tragen, im Volksmund dompas, der dumme Pass. Zwischen 1916 und 1984 wurden deswegen über 17,7 Millionen Menschen festgenommen oder angeklagt.

Warum Kapstadt anders lief als Johannesburg

Ein Stück Apartheid gab es allein hier. Ab Mitte der fünfziger Jahre galt das westliche Kap als Coloured Labour Preference Area. Bei der Arbeitsvergabe hatten als coloured eingestufte Bewerber Vorrang, schwarze Arbeiter durften nur als Wanderarbeiter kommen, ohne Familie. Für sie wurde deshalb jahrzehntelang kein Familienwohnraum gebaut, sondern Wohnheime. Verlangt hatte das keine einzige Organisation der Betroffenen; die Regelung kam von oben, und Gewerkschaften und Oppositionsparteien liefen dagegen Sturm.

Wohnungen, die es nicht gab, entstanden trotzdem. In den siebziger Jahren wuchs neben Nyanga die Siedlung Crossroads, 1977 lebten dort rund 18.000 Menschen. 1975 gingen Räumungsbescheide raus, 1978 ließ Ministerpräsident P. W. Botha abreißen, am Ende wurde Crossroads zum Notlager erklärt, womit die Stadt Wasser und Müllabfuhr stellen musste.

1983 kündigte Minister Piet Koornhof ein neues Township weit draußen an. Ab 1985 wurde Khayelitsha gebaut, und die ersten Bewohner lebten in Zelten. Im Mai und Juni 1986 brannten die Siedlungen von Old Crossroads, angezündet von den Witdoeke, einer mit der Polizei kooperierenden Bürgerwehr. 60.000 Menschen verloren dabei ihre Unterkunft.

Die Passgesetze fielen 1986. Der Abolition of Influx Control Act galt rückwirkend ab dem 23. April, am 24. Juli entfiel die Pflicht, das Passbuch mitzuführen. Danach zog es Menschen in großer Zahl nach Kapstadt, und entlang der N2 entstanden die informellen Siedlungen, die dort heute stehen.

District Six, und warum die Fläche leer blieb

Am 11. Februar 1966 erklärte die Regierung District Six zum Gebiet für Weiße. Geräumt wurde ab 1968, abgerissen bis 1982, und die Bulldozer nahmen am Ende auch die Straßen und die Bürgersteige. Stehen blieben allein die Gotteshäuser.

Wie viele Menschen gehen mussten, hängt von der Quelle ab. Der Stadtingenieur zählte 1966 im betroffenen Gebiet 33.446 Einwohner. Das District Six Museum nennt für den gesamten Vorgang mehr als 60.000 Vertriebene. Beide Zahlen stimmen, sie messen nur Verschiedenes: eine Momentaufnahme und vierzehn Jahre Räumung.

Von den 3.695 Grundstücken gehörten schon vor der Proklamation 2.076 weißen Eigentümern. Vertrieben wurden also vor allem Mieter. Gebaut wurde auf der Fläche danach fast nichts, weil die Kampagne Hands Off District Six private Investoren fernhielt: Es blieb bei Wohnungen für Polizei und Militär und einem Hochschulcampus ab 1979. Wer heute an District Six vorbeifährt, sieht Gras, zehn Gehminuten vom Rathaus.

Die Rückgabe läuft seit 1998. Von den Berechtigten entschieden sich 1.165 für eine Wohnung im Viertel statt für Geld, und am 11. Februar 2004, auf den Tag 38 Jahre nach der Proklamation, übergab Nelson Mandela die ersten Schlüssel. Fertig wurden 24 Wohnungen im Jahr 2008, 115 im Jahr 2013 und 108 im Jahr 2022. Im Oktober 2025 warteten noch 918 Familien.

Robben Island, 1960, 1976 und die Toten von Athlone

Robben Island war lange vor der Apartheid ein Ort der Verbannung. Als ersten Gefangenen nennen die Quellen Autshumato, einen Khoekhoe-Anführer aus van Riebeecks Zeit. Ab 1845 lag dort eine Leprakolonie. Von 1961 bis 1991 war die Insel das Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene.

Nelson Mandela verbrachte achtzehn seiner siebenundzwanzig Haftjahre auf der Insel. Im April 1982 verlegte man ihn zusammen mit Walter Sisulu, Ahmed Kathrada, Andrew Mlangeni und Raymond Mhlaba nach Pollsmoor in Tokai. 1997 wurde die Insel Museum, 1999 Weltkulturerbe.

Am 21. März 1960, dem Tag des Massakers von Sharpeville, starben auch in Langa Menschen bei Protesten gegen die Passgesetze. Neun Tage später lief Philip Kgosana von dort aus in die Innenstadt, an der Spitze von 30.000 bis 50.000 Menschen, bis zur Wache am Caledon Square. Die Straße, die vom Zentrum den Hang hinaufführt, trägt seinen Namen.

Der Aufstand von Soweto begann am 16. Juni 1976. In Kapstadt kam er im August an, in Langa, Gugulethu und Nyanga, später auch an den Schulen der als coloured eingestuften Viertel. Zwischen August und September starben in der Stadt 92 Menschen. Die Cillie-Kommission zählte bis Ende Februar 1977 für die Westkap-Provinz 137 Tote.

Am 15. Oktober 1985 fuhr in Athlone ein Lastwagen der Eisenbahn durch die Straßen bei einer Schule. Auf der Ladefläche standen Holzkisten, in den Kisten saßen bewaffnete Polizisten. Der Wagen fuhr die Strecke zweimal. Beim ersten Mal blieb die erwartete Reaktion aus, beim zweiten standen die Männer auf und schossen.

Michael Miranda war elf Jahre alt, Shaun Magmoed fünfzehn, Jonathan Claasen einundzwanzig. Fünfzehn weitere Menschen wurden verletzt, dreizehn davon Kinder. Ein Kamerateam filmte den Vorgang, und die Bilder liefen um die Welt.

Die gerichtliche Untersuchung begann 1988 und befand, die Polizei habe unangemessen gehandelt. Eine Privatklage der Familien endete im Dezember 1989 mit Freisprüchen für alle Beteiligten. 1997 befasste sich die Wahrheitskommission mit dem Fall.

Am 3. März 1986 erschoss die Polizei in Gugulethu sieben junge Männer zwischen 16 und 23 Jahren. Gerichte erklärten die Tötungen bis 1989 zu einer rechtmäßigen Anti-Terror-Operation. Erst die Wahrheitskommission brachte heraus, wie es dazu kam.

Der Abend des 11. Februar 1990

Nelson Mandela kam nach siebenundzwanzig Jahren aus der Haft. Noch am selben Tag stand er auf dem Balkon des Rathauses an der Grand Parade und hielt seine erste öffentliche Rede seit Beginn der Haft. Die Nacht danach verbrachte er nach Angaben der dortigen Anwohnervereinigung in Bishopscourt, als Gast von Desmond und Leah Tutu. Auf dem Balkon steht seit dem 24. Juli 2018 eine Bronzefigur an der Stelle, an der er gesprochen hat.

Was du seit 1994 im Stadtbild siehst

1991 fielen die beiden Gesetze, die die Stadt zerlegt hatten. Am Hafen ging es schneller als in der Politik: 1990 öffneten an der alten Werft die ersten beiden Lokale, Ende 1992 folgte das Einkaufszentrum Victoria Wharf, und aus dem Arbeitshafen wurde das meistbesuchte Ziel des Landes. Im September 2017 kam an der Waterfront ein Kunstmuseum dazu, eingebaut in einen Getreidesilo von 1921 bis 1924.

Was sich nicht geändert hat, siehst du auf der Karte. Die Townships liegen dort, wo die Apartheid sie hingesetzt hat, zwanzig bis dreißig Kilometer draußen. Mitchells Plain wurde für Vertriebene aus District Six, Claremont und Simon's Town gebaut, und im April 1976 zogen die ersten Familien ein. Wer heute dort wohnt und in der Stadt arbeitet, pendelt jeden Tag zwei Stunden.

Die Wasserkrise und der Tag, der nie kam

Zwischen 2015 und 2018 blieb der Winterregen dreimal hintereinander weitgehend aus. Mitte Januar 2018 kündigte die Stadt an, das Leitungswasser abzustellen und die Menschen an Ausgabestellen zu versorgen, sobald die Talsperren auf 13,5 Prozent gefallen wären. Für diesen Punkt gab es einen Namen und ein Datum: Day Zero.

WannWas passierte
Mitte Januar 2018Day Zero angekündigt: Abschaltung, sobald die Talsperren 13,5 Prozent erreichen
Januar 2018Genannt werden der 22. April, dann der 12. April 2018
1. Februar 2018Stufe 6B: 50 Liter pro Person und Tag
Februar 2018Obstbauern geben täglich zehn Millionen Liter aus dem Eikenhof-Damm ab, Day Zero rückt vom 16. April auf den 11. Mai
5. Februar 2018Day Zero auf Juni verschoben
20. Februar 2018Erneut nach hinten verschoben
28. Juni 2018Day Zero auf unbestimmte Zeit ausgesetzt
September 2018Talsperren bei rund 70 Prozent, Rückstufung auf Stufe 5
November 2018Stufe 3, 105 Liter pro Person und Tag
2020Talsperren bei 95 Prozent, die Dürre ist vorbei

Erreicht wurde Day Zero nie, und dafür gibt es drei Gründe. Ab dem 1. Februar 2018 galten 50 Liter pro Person und Tag, und der Verbrauch fiel tatsächlich. Im selben Monat gab die Groenland Water User Association, ein Zusammenschluss von Obstbauern, täglich zehn Millionen Liter aus dem Eikenhof-Damm kostenlos ab. Und ab Juni 2018 regnete es wieder.

An einer Stelle widersprechen sich die Quellen: Mal steht der 12., mal der 16., mal der 22. April als erstes Day-Zero-Datum. Das ist kein Fehler in der Überlieferung. Day Zero war nie ein Termin, sondern eine Hochrechnung, die sich alle paar Wochen änderte. Wer die Krise verstehen will, liest die Reihe der Verschiebungen und nicht die einzelne Zahl.

Grundlage dieser Seite sind South African History Online, die englischsprachige Wikipedia zu History of Cape Town, District Six, Cape Colony, Slavery in South Africa, Khoekhoe, Group Areas Act, Population Registration Act, Pass law, Crossroads und Cape Town water crisis, dazu Maynard W. Swanson, The Sanitation Syndrome, Journal of African History 18 (1977), Seite 387 bis 410, und Deano Stynder und Kollegen im Journal of Human Evolution (2009) zur Neudatierung des Fish Hoek Man. Wo Zahlen auseinandergehen, stehen beide im Text. Geprüft im August 2026.

Häufige Fragen

Wer lebte am Kap, bevor die Europäer kamen?

Am Kap lebten Khoekhoe, Viehhalter, die die Holländer Khoikhoi nannten, und jagende und sammelnde Gruppen, für die die Bezeichnung San steht. An der Tafelbucht saßen im 17. Jahrhundert die Goringhaiqua, die Gorachouqua und die Goringhaicona. Belege für größere Herden südlich des Oranje gibt es erst ab etwa 1000 nach Christus.

Warum haben sich die Portugiesen nicht in der Tafelbucht niedergelassen?

Am 1. März 1510 verlor der portugiesische Vizekönig Francisco de Almeida in der Tafelbucht ein Gefecht gegen Khoekhoe. 64 Portugiesen starben, darunter er selbst und elf Kapitäne. Danach mieden portugiesische Schiffe die Bucht, und das Kap blieb den Holländern offen, die dort 1652 ihre Versorgungsstation anlegten.

Was war 1652 der Auftrag von Jan van Riebeeck?

Jan van Riebeeck sollte für die niederländische Ostindien-Kompanie in der Tafelbucht eine Versorgungsstation einrichten: Garten, Hospital, frisches Wasser und Fleisch für Schiffe auf dem Weg nach Asien. Eine Kolonie zu gründen gehörte ausdrücklich nicht dazu. Zur Kolonie wurde das Kap 1657, als die Kompanie Weideland der Khoekhoe am Liesbeek an Freibürger vergab.

Wann begann in Kapstadt die Trennung nach Hautfarbe?

Sie beginnt in Kapstadt 1901, nicht 1948. Nach dem Ausbruch der Beulenpest brachten die Behörden mit Notstandsbefugnissen aus dem Gesundheitsrecht mehrere tausend schwarze Einwohner aus der Innenstadt auf eine Staatsfarm bei Uitvlugt, aus der die Siedlung Ndabeni wurde. Der Historiker Maynard Swanson hat diesen Vorgang 1977 als sanitation syndrome beschrieben.

Was war die Coloured Labour Preference Policy?

Ab Mitte der fünfziger Jahre galt das westliche Kap als Vorranggebiet für als coloured eingestufte Arbeitskräfte. Schwarze Arbeiter durften nur als Wanderarbeiter kommen, ohne Familie, und Familienwohnungen wurden für sie jahrzehntelang nicht gebaut. Diese Regelung gab es allein in dieser Region, und sie erklärt, warum sich Kapstadt anders entwickelt hat als Johannesburg.

Ist Kapstadt in der Wasserkrise das Wasser ausgegangen?

Nein. Die Stadt Kapstadt kündigte für 2018 unter dem Namen Day Zero an, das Leitungswasser abzustellen, sobald die Talsperren auf 13,5 Prozent gefallen wären. Am 28. Juni 2018 wurde dieser Punkt auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, weil der Verbrauch gefallen war, Obstbauern Wasser abgegeben hatten und der Winterregen wieder einsetzte.