Southern Suburbs

Tokai

Auf halber Höhe des Constantiaberg hört der Wald auf. Darunter liegen Hänge voller Stümpfe, und dazwischen kommt kniehoch Fynbos hoch, durchzogen von Wegen. Oben stehen noch Kiefernblöcke, und um genau die wird seit Jahren gestritten.

Tokai liegt südlich von Constantia am Fuß des Constantiaberg, dort, wo die Southern Suburbs aufhören und der Berg anfängt. Der Vorort selbst ist klein: 1,05 Quadratkilometer, 2.568 Einwohner nach dem Zensus 2011. Der Wald darüber ist ein Vielfaches davon und im Zensus gar nicht mitgezählt. Die Autobahn M3, die hier Blue Route heißt, endet ein Stück weiter an der Steenberg Road; einen MyCiTi gibt es nicht, die nächste Haltestelle liegt 7,7 Kilometer entfernt, und der nächste Bahnhof der Südlinie ist Steenberg.

Der Name kommt vermutlich aus Ungarn, von den Hügeln um Tokaj, denn hier standen zuerst Weinfarmen. South African History Online führt daneben eine zweite Deutung an, nach der Tokai in einer alten Sprache Südindiens den Schwanz eines Pfaus bezeichnet. Der Vorort, wie du ihn heute siehst, ist jung. Er entstand Ende der 1940er Jahre, als Wohnraum für heimkehrende Soldaten des Zweiten Weltkriegs gebraucht wurde. Das Land selbst wurde 1791 oder 1792 vergeben, von Gouverneur Johan Isaac Rhenius an einen Siedler namens Rauk.

Wo Südafrikas Forstwirtschaft angefangen hat

1884 pflanzte Joseph Storr Lister, damals Forstinspektor der Westlichen Kapkolonie, an diesem Hang Monterey-Kiefern. Ein Jahr darauf legte er neben der Baumschule ein Arboretum an, mit mehr als 150 Arten aus aller Welt. Hier fängt die Geschichte der südafrikanischen Forstwirtschaft an. Das Arboretum wurde im August 1985 zu seinem hundertsten Jahrestag unter Denkmalschutz gestellt. Rund 900 Pflanzen aus etwa 300 Arten stehen dort auf vierzehn Hektar.

Ausbildung gehörte dazu. Von 1906 bis 1911 lief in Tokai der Versuch einer Forstschule, er scheiterte, und 1912 entstand daraus eine eigene Ausbildungsstätte für Förster, die 1932 nach Saasveld verlegt wurde. In beiden Weltkriegen lieferten die Plantagen Holz. Unter der Apartheid gab die Forstverwaltung sie später zur Erholung frei, zum Spazierengehen mit dem Hund, und zwar als Gebiet für Weiße.

Warum die Kiefern gefällt wurden

Nach dem Ende der Apartheid ging das Land an SANParks und wurde Teil der Table Mountain National Park. Damit stand eine Frage im Raum, die alles Weitere bestimmt: Ein Nationalpark schützt einheimische Natur, und Kiefern aus Kalifornien sind keine. Verpachtet wurde trotzdem. Im Januar 2005 unterschrieb SANParks einen Vertrag über zwanzig Jahre mit dem privaten Holzunternehmen MTO Forestry, das die Bestände abernten durfte. Der Rahmen dafür heißt Tokai and Cecilia Management Framework, kurz TCMF, und er sieht den geordneten Ausstieg bis 2025 vor. Veröffentlicht wurde er 2009.

2015 fegte ein großes Feuer durch weite Teile des Waldes. Danach ging es schneller, und der Streit begann. Als am 30. August 2016 in Dennendal der Kahlschlag anfing, gründete sich die Initiative Parkscape, um ihn zu stoppen, und zog vor Gericht. Im November 2016 gab der High Court ihr recht: Richter Pat Gamble entschied, dass die Änderung des vereinbarten Zeitplans ohne erneute öffentliche Beteiligung gegen den TCMF verstoße und verfahrensfehlerhaft sei. Gestritten wurde also nicht über Ökologie, sondern über die Frage, ob die Anwohner gefragt worden waren. Parkscape blieb danach bestehen und wirbt seither allgemein für Erholungsflächen am Rand des Nationalparks.

Ab dem 25. Mai 2021 lief eine sechsmonatige Überprüfung des TCMF, an der sich beide Seiten beteiligten. Im Januar 2025 lief der Pachtvertrag aus, und damit die letzte rechtliche Grundlage, die Bestände als Plantage zu führen. Kiefern sind in Südafrika als invasive Art der Kategorie 1b gelistet. Das heißt: entfernen. Im Juni 2026 wies das Ministerium für Forstwirtschaft, Fischerei und Umwelt SANParks förmlich an, die Kiefern und die übrigen fremden Gehölze aus Tokai und Cecilia zu räumen, so berichtete es der Umweltjournalist John Yeld im August 2026. Die Gegenseite will die restlichen Blöcke behalten, wegen Schatten, Wegen und Erholung.

Was dort stattdessen wächst

Unter den Kiefern lag etwas, das kaum noch irgendwo liegt. Tokai trägt vier Vegetationstypen, darunter Cape Flats Sand Fynbos, und von dem sind nach den Angaben des Parks nur noch rund zehn Prozent übrig, weniger als ein Prozent davon geschützt. Tokai ist damit das wichtigste Schutzgebiet, das dieser Vegetationstyp überhaupt hat. Dass er zurückkommt, war nicht ausgemacht. Zwei südafrikanische Botaniker, Richard Cowling und David Richardson, halten die Wiederherstellung für machbar, weil Fynbos-Samen im Boden noch 130 Jahre nach der Aufforstung keimfähig bleiben und nach Feuer aufgehen.

Die Zahlen geben ihnen bislang recht. Im unteren Teil des Parks sind über 440 Pflanzenarten zurück, im oberen über 700, dazu rund dreißig Arten der Roten Liste, die von selbst wieder auftauchten. Die Whorl Heath, Erica verticillata, galt in freier Natur als ausgestorben und wächst hier wieder. Ein zweiter Brand im April 2025 kam früher als erwartet, brachte aber erneut Arten hervor, die niemand mehr gesehen hatte.

Eine Zahl fehlt im Streit meistens. Als 2020 die fremden Bäume im Gebiet aus Satellitendaten kartiert wurden, bedeckten sie 3,22 Quadratkilometer, also 38,4 Prozent der Fläche. Davon entfielen 57,6 Prozent auf Eukalyptus und 32,0 Prozent auf Akazien, und nur 10,4 Prozent auf Kiefern. Öffentlich gestritten wird über die Kiefern, weil man sie sieht und unter ihnen spazieren geht. Der größere Teil des Problems steht daneben.

Tokai Manor

Am Fuß des Waldes steht ein weiß gekalktes kapholländisches Herrenhaus mit geschwungenem Giebel. Das Denkmalregister führt es als kurz nach 1792 von Jan Andreas Rauch errichtet und nennt es eines der bekanntesten Beispiele kapholländischer Baukunst; South African History Online datiert es auf 1796. Die Fassade wird dem Architekten Louis Michel Thibault zugeschrieben, mit der Jahreszahl 1795. Später gehörte das Haus zur Porter Reformatory, einer Erziehungsanstalt, und unter diesem Doppelnamen steht es bis heute im Register. Heute sitzt darin die Verwaltung der Table Mountain National Park, also ausgerechnet die Behörde, die über die Kiefern entscheidet.

Pollsmoor und die Jahre 1982 bis 1988

Keine zwei Kilometer entfernt liegt Pollsmoor, eröffnet 1964. Ausgelegt ist das Gefängnis für 4.336 Menschen, tatsächlich sitzen dort über 7.000, und rund 3.200 davon warten auf ihren Prozess. Die Überbelegung ist der Kern fast aller Berichte über Pollsmoor, dazu kommen die Gefängnisbanden, die als 26er, 27er und 28er organisiert sind. Es ist ein Gefängnis im Betrieb, kein Museum. Vom Wald aus siehst du Mauern und Zäune.

Im April 1982 wurde Nelson Mandela nach achtzehn Jahren auf Robben Island hierher verlegt, zusammen mit Walter Sisulu, Andrew Mlangeni, Ahmed Kathrada und Raymond Mhlaba. Die Bedingungen waren besser als auf der Insel: 52 Briefe im Jahr, und er durfte auf dem Dach einen Garten anlegen. 1985 bot Präsident P. W. Botha ihm die Freilassung an, unter einer Bedingung: Er sollte der Gewalt abschwören. Mandela lehnte ab, zweimal, am 31. Januar und am 10. Februar. Seine Tochter Zindzi verlas die Antwort öffentlich. Von Pollsmoor aus begannen 1987 die geheimen Gespräche mit Justizminister Kobie Coetsee, aus denen ab Mai 1988 förmliche Verhandlungen wurden. Im Dezember 1988 brachte man ihn von der Constantiaberg-Klinik nach Victor Verster.

Praktisch im Wald

Von den Parkplätzen am Waldrand laufen Wege in alle Richtungen, dazu Strecken fürs Mountainbike, Reitwege und Flächen, auf denen Hunde frei laufen dürfen. Ein Punkt wird dabei unterschätzt. Die verbliebenen Kiefern sind teilweise von Pitch Canker und der Sirex-Holzwespe befallen, sie faulen von innen und stürzen ohne Vorwarnung. Zwei Menschen sind im Park dadurch schon gestorben, ein Unfall mit zwei Kindern im März 2002 gilt bis heute als Mahnung. Bei Wind und nach Regen gehst du in den alten Beständen besser nicht spazieren. Paviane sind in der Gegend verbreitet, lass dein Essen im Auto und die Autofenster zu.

Ohne eigenes Auto wird es mühsam, weil weder MyCiTi noch Bahn bis Tokai reichen und der Ort auch nicht auf der Liste der Gebiete für die MyCiTi-Ausbaustufe 2A steht. Neben dem Wald liegt seit 2018 die Norval Foundation, ein Museum für südafrikanische Kunst mit Skulpturengarten. Tokai gehört zum Polizeirevier Kirstenhof, das für April 2025 bis März 2026 zwei Morde, 72 Wohnungseinbrüche, sieben Autoraube und 1.490 erfasste Delikte ausweist; die Zahlen gelten für das ganze Revier. Wer ein Haus sucht: Für freistehende Häuser lag der Durchschnittspreis im Mai 2025 bei 7,21 Millionen Rand.

Vom Zentrum
14,6 kmLuftlinie zur Grand Parade
Einwohner
2.568Zensus 2011, sub place Tokai
MyCiTi
fährt nicht
Unterkünfte
7Preisniveau 2 von 5

Unser TippFang im Arboretum von 1885 an, ganz oben an der Tokai Road. Es ist der einzige Teil des Waldes, in dem die fremden alten Bäume ausdrücklich bleiben dürfen, und wenn du danach die Hänge darüber hochgehst, siehst du beide Seiten des Streits an einem Vormittag.

Sicherheit in Tokai

Zuständig ist das Polizeirevier Kirstenhof. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für Tokai allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.

Morde
2
Straßenraub
23ohne Waffe
Raub mit Waffe
41auch Überfälle auf Fahrzeuge
Autoraub
7
Wohnungseinbruch
72

Gemeldete Fälle im Revier Kirstenhof, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.

Übernachten in Tokai

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9 Windsor Lane Dennendal

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CottagesSouthern Suburbs★★★★

Morningside Cottage

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GästehausSouthern Suburbs

Rustic Manor Guest House

17 Perth Road

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2 On Lismore Guesthouse8,9/10

GästehausSouthern Suburbs

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Tokai: häufige Fragen

Wem gehört der Tokai Forest?

Der Wald oberhalb von Tokai in Kapstadt gehört zur Table Mountain National Park und wird von der Nationalparkbehörde SANParks verwaltet. Das kommerzielle Abernten der Kiefernbestände war von Januar 2005 an über zwanzig Jahre an das private Holzunternehmen MTO Forestry verpachtet. Diese Pacht lief im Januar 2025 aus.

Warum wurden im Tokai Forest die Kiefern gefällt?

Die Kiefernplantagen oberhalb von Tokai standen auf Land, das nach dem Ende der Apartheid Teil eines Nationalparks wurde. Der Rahmenplan dafür, das 2009 veröffentlichte Tokai and Cecilia Management Framework, sah den Ausstieg aus der Plantagenwirtschaft bis 2025 vor. Kiefern gelten in Südafrika außerdem als invasive Art der Kategorie 1b und müssen entfernt werden. Im Juni 2026 wies das zuständige Ministerium SANParks förmlich an, auch die restlichen Bestände zu räumen.

Was wächst im Tokai Forest statt der Kiefern?

Auf den geräumten Hängen bei Tokai kommt Fynbos zurück, darunter der stark bedrohte Cape Flats Sand Fynbos, von dem nach Angaben des Parks nur noch rund zehn Prozent übrig sind. Im unteren Teil des Gebiets sind über 440 Pflanzenarten wieder aufgetaucht, im oberen über 700, dazu rund dreißig Arten der Roten Liste. Die Erica verticillata galt in freier Natur als ausgestorben und wächst dort wieder.

Warum ist der Streit um die Bäume in Tokai bis heute nicht entschieden?

Als 2016 in Dennendal bei Tokai der Kahlschlag begann, klagte die Anwohnerinitiative Parkscape und bekam recht: Der High Court entschied im November 2016, die Änderung des vereinbarten Zeitplans ohne erneute öffentliche Beteiligung sei verfahrensfehlerhaft. Seither geht es um Erholung, Schatten und Wege auf der einen und um den Schutz einer stark bedrohten Vegetation auf der anderen Seite. Eine Überprüfung des Rahmenplans lief ab Mai 2021 über sechs Monate.

Was hat Nelson Mandela mit Tokai zu tun?

In Tokai bei Kapstadt liegt das Gefängnis Pollsmoor, in das Nelson Mandela im April 1982 nach achtzehn Jahren auf Robben Island verlegt wurde, zusammen mit Walter Sisulu, Andrew Mlangeni, Ahmed Kathrada und Raymond Mhlaba. Er durfte dort auf dem Dach einen Garten anlegen und lehnte 1985 ein an Bedingungen geknüpftes Freilassungsangebot von Präsident P. W. Botha ab. Ende 1988 kam er nach Victor Verster. Pollsmoor ist bis heute ein Gefängnis im Betrieb.