Constantia liegt auf der Ostseite der Kaphalbinsel, südlich von Wynberg und nördlich von Tokai, an der Flanke des Constantiaberg. Das Gebiet ist groß und locker bebaut, gut 23 Quadratkilometer, überwiegend Grundstücke mit Hecke davor, dazwischen Weinberge, Eichenalleen und ein paar Einkaufszentren an der Constantia Main Road und der Ladies Mile. Gehwege gibt es kaum.
Bei der Einwohnerzahl lohnt ein zweiter Blick. Die englische Wikipedia nennt 12.564 für den Zensus 2011, allerdings als Summe aus 23 einzelnen Zensuseinheiten. Die Einheit, die im Zensus schlicht „Constantia“ heißt, hat auf 5,9 Quadratkilometern nur 909 Einwohner. Beides stimmt, beides meint etwas anderes. Was Reisende Constantia nennen, das Tal mit den Weingütern, entspricht eher der Summe.
1685, und der Streit ums Alter
Am Anfang steht eine Landverleihung. 1685 übertrug der Kommissar Hendrik Adriaan van Rheede tot Drakenstein dem Kapkommandeur Simon van der Stel ein Stück Land am Hang, und daraus wurde Groot Constantia. Das Gut nennt sich das älteste Weingut Südafrikas, und für einen durchgehend produzierenden Betrieb stimmt das auch. Trotzdem ist die Sache nicht ganz eindeutig: Steenberg, keine sechs Kilometer weiter, wurde nach denselben Quellen bereits 1682 als Farm angelegt und gilt in der englischen Wikipedia als ältestes Weingut der Gegend. Wer welchen Titel trägt, hängt daran, ob man das Gründungsjahr der Farm zählt oder das des Weinbaus.
Nach van der Stels Tod 1712 wurde das Gut geteilt. Ende der 1770er Jahre kaufte die Familie Cloete den Teil mit dem Herrenhaus und blieb bis 1885. Von ihr stammt der Weinkeller von 1791, dessen Giebel Anton Anreith gestaltete. 1925 brannte das Haupthaus aus. Wieder aufgebaut wurde es im kapholländischen Stil, und seit 1993 gehört das Gut dem Groot Constantia Trust.
Wer die Arbeit machte
150 Jahre lang wurde auf Groot Constantia mit Sklavenarbeit gewirtschaftet. Die englische Wikipedia nennt für diesen Zeitraum rund 220 versklavte Menschen. Genauer wird es beim Inventar, das nach dem Tod der Eigentümerin 1734 aufgenommen wurde. Es führt 27 Versklavte namentlich auf, alle Männer, die meisten verschleppt aus dem indischen Archipel und aus Madagaskar, dazu 1.126 Liter Rotwein im Keller. Das Gut selbst zitiert diese Liste heute in seinen eigenen Texten.
Und diese Eigentümerin ist der Punkt, an dem die Geschichte kippt. Anna de Koningh war die Tochter von Angela aus Bengalen, auch Maai Ansiela genannt, die um 1638 im Gangesdelta geboren und 1655 als Versklavte ans Kap gebracht wurde. Angela kam 1666 frei und war nach Darstellung des Guts die erste als „Free Black“ geführte Person, die am Kap Land besaß. Ihre Tochter Anna heiratete den Soldaten Olof Bergh, und 1714 wurden die beiden Eigentümer von Groot Constantia. Bergh starb 1724. Anna de Koningh, selbst in die Sklaverei hineingeboren, führte das Gut bis zu ihrem Tod 1734 als vermögende Witwe und war die erste Frau, der Groot Constantia gehörte. Sie besaß dabei die 27 Männer, die es bewirtschafteten.
Ausgeblendet wird das heute nicht mehr. Das Herrenhaus ist seit 1969 Museum, geführt von Iziko, und die Ausstellung dort behandelt ausdrücklich die ländliche Sklaverei am frühen Kap. Im Jonkershuis-Komplex zeigt ein Orientierungszentrum dazu Tafeln, Objekte und Grabungsfunde, und Iziko betreibt ein eigenes Online-Archiv mit Sklavenregister und einzelnen Lebensläufen. Verglichen mit dem, was viele Weingüter am Kap über ihre Anfänge sagen, ist das viel. Vom Verkostungstisch aus ist es trotzdem weit weg.
Der berühmteste Wein Europas, und warum er verschwand
Der Naturforscher François Valentyn nannte den Wein von hier 1705 den besten am Kap. Ab 1778 baute Hendrik Cloete daraus einen ungespriteten Süßwein, verschnitten aus Muscat de Frontignan, Pontac, roter und weißer Muscadelle und Chenin Blanc. Der ging nach Europa und landete in bemerkenswerten Kellern. Friedrich der Große trank ihn, Queen Victoria auch, und Napoleon ließ ihn sich, so wird erzählt, im Exil auf St. Helena fassweise schicken.
Zwei Schläge beendeten das. 1861 hob die britische Regierung unter Gladstone die imperialen Vorzugszölle auf, und der Export brach ein. In den 1890er Jahren kamen Reblaus und Echter Mehltau über die Reben, und die Produktion hörte ganz auf. Die Cloetes hatten schon 1885 verkauft. Danach war fast hundert Jahre lang Stille.
Zurück ist der Wein seit den achtziger Jahren. Duggie Jooste kaufte 1980 Klein Constantia und ließ ihn mit dem Kellermeister Ross Gower und wissenschaftlicher Hilfe aus Stellenbosch rekonstruieren; ab 1986 verkaufte das Gut wieder Vin de Constance. Groot Constantia zog 2003 mit Grand Constance nach, erstmals seit den 1880er Jahren, Buitenverwachting 2007 mit einem Wein namens 1769. Nur ist der heutige Wein nicht derselbe. Er entsteht aus einer einzigen Rebsorte, Muscat Blanc à Petits Grains, während der historische ein Verschnitt aus mehreren war. Was du im Glas hast, ist eine Rekonstruktion, keine Fortsetzung.
Was hier 1961 passierte
Das Tal war bis in die sechziger Jahre ländlich und gemischt. In der Strawberry Lane und an der Ladies Mile wohnten Familien, die als Bauern, Landarbeiter, Hausangestellte sowie Obst- und Blumenverkäufer lebten. 1961 wurde Constantia zum weißen Gebiet erklärt, und Ende der sechziger Jahre brachte man die als „coloured“ oder schwarz eingestuften Bewohner in die Cape Flats, nach Mitchells Plain, Manenberg und Lotus River. Am Heritage Day 2009 enthüllte Bürgermeister Dan Plato eine Gedenktafel für die Gemeinschaft der Strawberry Lane.
Ein Fall ging anders aus. Die Familie Solomon hatte rund fünfzig Jahre lang um ihr Land gekämpft und bekam es 2012 mit Titelurkunde zurück, ein Grundstück mit dreißig Häusern, dessen Wert in zweistelligen Millionenbeträgen geschätzt wurde. Als sie darauf ein Einkaufszentrum bauen wollte, das Constantia Emporium, legte sich der Interessenverband der Anwohner quer. Die Stadt genehmigte trotzdem, die damalige Bürgermeisterin Patricia de Lille wies den Widerspruch zurück, und der Bau bekam später mehrere Architekturpreise. An diesem Streit siehst du, worum es im Tal bis heute geht: darum, wer bestimmt, was hier gebaut wird.
Und ohne Auto?
Ehrliche Antwort: schwierig. In Constantia gibt es keinen Bahnhof und keinen MyCiTi. Die Südlinie fährt östlich am Tal vorbei, die nächstgelegenen Halte sind Wynberg, Plumstead und Diep River, und von dort brauchst du noch ein Taxi oder einen Golden-Arrow-Bus über die Ladies Mile. Die nächste MyCiTi-Haltestelle liegt rund 6,8 Kilometer entfernt in Hout Bay, auf der Linie 109, hinter dem Constantia Nek.
Auf der offiziellen Liste der Stadtteile, die von der MyCiTi-Ausbaustufe 2A profitieren sollen, steht Constantia zwar. Nur ist dort weder eine Station noch eine Linienführung im Tal benannt, und vermutlich geht es um eine Zubringerlinie ab Wynberg. Das ist die unsicherste Verkehrsangabe für dieses Viertel. Als erster Fahrgastbetrieb der Ausbaustufe steht der 1. Juli 2027 im Raum, ein Termin aus der Presse, der schon zweimal verschoben wurde. Bis dahin bleibt es beim Mietwagen, bei Taxi-Apps oder bei einer geführten Weintour, bei der du nicht selbst fährst.
Innerhalb des Tals sind die Wege länger, als sie auf der Karte aussehen. Zwischen Groot Constantia, Klein Constantia und Buitenverwachting liegen jeweils ein bis zwei Kilometer ohne Gehweg, an Straßen mit Hecken bis an den Rand. Constantia gehört zum Polizeirevier Dieprivier, das für April 2025 bis März 2026 drei Morde und 1.961 erfasste Delikte ausweist, darunter 111 Wohnungseinbrüche; das Revier umfasst auch Diep River selbst und weitere Viertel, gilt also für ein größeres Gebiet.
- Vom Zentrum
- 11,1 kmLuftlinie zur Grand Parade
- Einwohner
- 12.564Zensus 2011
- MyCiTi
- noch nichtPhase 2A, Betrieb angekündigt für 2027
- Unterkünfte
- 6 HäuserPreisniveau 5 von 5
Unser TippWenn du nur Zeit für ein Gut hast, nimm Groot Constantia und plan das Museum im Herrenhaus mit ein statt nur die Verkostung: Die Ausstellung zur Sklaverei auf dem Gut und das Orientierungszentrum im Jonkershuis erklären dir, wer den Wein in den ersten 150 Jahren tatsächlich gemacht hat.
Sicherheit in Constantia
Zuständig ist das Polizeirevier Dieprivier. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für Constantia allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.
- Morde
- 3
- Straßenraub
- 48ohne Waffe
- Raub mit Waffe
- 88auch Überfälle auf Fahrzeuge
- Autoraub
- 6
- Wohnungseinbruch
- 111
Gemeldete Fälle im Revier Dieprivier, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.
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Preise prüfen bei trivagoConstantia: häufige Fragen
Ist Groot Constantia wirklich das älteste Weingut Südafrikas?
Groot Constantia in Kapstadt geht auf eine Landverleihung von 1685 an Simon van der Stel zurück und gilt als ältestes durchgehend produzierendes Weingut des Landes. Ganz eindeutig ist der Titel nicht: Steenberg im selben Tal wurde nach denselben Quellen schon 1682 als Farm angelegt und wird in der englischen Wikipedia als ältestes Weingut der Gegend geführt.
Wer arbeitete in den ersten Jahrhunderten auf Groot Constantia?
Auf Groot Constantia wurde 150 Jahre lang mit Sklavenarbeit gewirtschaftet. Das Inventar von 1734 führt 27 versklavte Menschen namentlich auf, alle Männer, die meisten aus dem indischen Archipel und aus Madagaskar verschleppt; die englische Wikipedia nennt für den gesamten Zeitraum rund 220. Das Herrenhaus ist heute ein Museum unter Iziko, dessen Ausstellung die ländliche Sklaverei am Kap behandelt.
Wem gehörte Groot Constantia im 18. Jahrhundert?
Von 1714 an gehörte Groot Constantia bei Kapstadt Olof Bergh und seiner Frau Anna de Koningh. Anna war die Tochter einer aus Bengalen verschleppten versklavten Frau und selbst in die Sklaverei hineingeboren; nach dem Tod ihres Mannes 1724 führte sie das Gut bis zu ihrem eigenen Tod 1734 und war damit die erste Frau, der Groot Constantia gehörte. Zugleich besaß sie die Versklavten, die dort arbeiteten.
Warum verschwand der berühmte Constantia-Wein aus Europa?
Der Süßwein aus Constantia wurde im 18. und 19. Jahrhundert nach Europa exportiert und unter anderem an Friedrich den Großen und Queen Victoria geliefert. 1861 hob die britische Regierung die imperialen Vorzugszölle auf, worauf die Ausfuhr einbrach, und in den 1890er Jahren vernichteten Reblaus und Echter Mehltau die Reben. Erst 1986 verkaufte Klein Constantia wieder einen Vin de Constance, allerdings aus einer einzigen Rebsorte statt aus dem historischen Verschnitt.
Kommt man ohne Auto nach Constantia?
Schlecht. In Constantia bei Kapstadt gibt es weder einen Bahnhof noch eine MyCiTi-Haltestelle; die Südlinie fährt östlich am Tal vorbei mit Halten in Wynberg, Plumstead und Diep River, die nächste MyCiTi-Haltestelle liegt rund 6,8 Kilometer entfernt in Hout Bay. Constantia steht auf der Liste der Gebiete für die MyCiTi-Ausbaustufe 2A, aber dort ist bisher keine Station und keine Linie im Tal benannt.