Kapstadt ist auf das Auto gebaut. Die Stadt zieht sich über vierzig Kilometer an zwei Küsten entlang, und die Viertel, die für Reisende zählen, liegen weit auseinander. Trotzdem brauchst du nicht für jeden Tag einen Wagen. Es kommt darauf an, wo du wohnst und was du vorhast.
Mietwagen, und was in Südafrika anders ist
Gefahren wird links. Die ersten Kreisverkehre sind der unangenehme Teil, danach gewöhnt man sich schnell daran. Was länger ungewohnt bleibt, ist das Abbiegen: Der Blick geht zuerst nach rechts, und genau das vergisst man am dritten Tag.
An der Tankstelle steigst du nicht aus. Ein Angestellter tankt, prüft auf Wunsch Öl und Reifendruck und putzt die Scheiben, und dafür gibt man ein kleines Trinkgeld. Selbstbedienung gibt es nicht.
Beim Parken wirst du oft von jemandem in Warnweste eingewiesen. Das sind Car Guards, die meist ohne Anstellung arbeiten und davon leben, was Fahrer ihnen beim Weggehen geben. Ein paar Rand beim Wegfahren sind üblich, und der Blick auf das Auto ist echt.
AchtungLass im Auto nichts sichtbar liegen, auch keine Jacke und keine leere Tasche. Der Einbruch ins abgestellte Fahrzeug ist in Kapstadt der häufigste Zwischenfall überhaupt. Was an Ampeln zu beachten ist, steht unter Sicherheit.
Taxi-Apps
Uber und Bolt sind in Kapstadt das übliche Verkehrsmittel für abends, auch für Einheimische, und beide funktionieren zuverlässig. In den innenstadtnahen Vierteln und an der Atlantikküste wartest du selten lange. Weiter draußen wird es abends dünner, und für den Rückweg aus einem Vorort planst du besser etwas Zeit ein.
MyCiTi, der Bus, der wirklich fährt
MyCiTi ist das einzige Nahverkehrssystem der Stadt mit festen Haltestellen, Fahrplan und einer Karte, die man aufladen kann. Nach den Daten dieser Seite erreicht es 27 der 59 Viertel, darunter die gesamte Innenstadt, die Atlantikküste bis Hout Bay und die Nordvororte am Strand. Auch Khayelitsha und Mitchells Plain sind angebunden, über Direktlinien auf der N2, was in der Berichterstattung meist untergeht.
Für den Bus brauchst du eine Karte, die myconnect heißt und die du an den Stationen bekommst. Bar zahlst du im Bus nicht.
Eine Sache steht in vielen Reiseführern und stimmt so nicht: Zum Flughafen fährt kein MyCiTi. Am 27. August 2026 führt MyCiTi in seiner Linienübersicht keine Flughafenlinie, und die Betreibergesellschaft des Flughafens nennt auf ihrer eigenen Seite zur Weiterfahrt nur Mietwagen, Taxi-Apps und Shuttledienste, keinen Bus. MyCiTi selbst beschreibt sein Netz als Strecke von Atlantis im Norden bis Hout Bay im Süden und von Sea Point im Westen bis Khayelitsha im Osten. Wie du tatsächlich vom Flughafen wegkommst, steht unter Anreise.
Was Phase 2A ist und wann sie kommt
Seit Jahren baut die Stadt zwei neue Hauptstrecken, die Khayelitsha und Mitchells Plain mit Wynberg und Claremont verbinden sollen. Das Vorhaben heißt Phase 2A, es geht um rund sechzig Kilometer und über dreißig Vororte. Für 6 Viertel dieser Seite hängt daran die Anbindung.
Der Termin ist zweimal verschoben worden. Angekündigt war der Betriebsstart zuerst für 2020, dann für 2023, und zuletzt nannte die Presse im Juli 2026 den 1. Juli 2027. Gebaut wird sichtbar: Im Sommer 2026 wurden Brückenträger eingehoben, die Bohrpfähle der Station Claremont waren im Juni 2026 fertig, und ab September 2026 begann der Bau dreier weiterer Stationen. Fertige Brücken und Stationsgebäude sind aber kein Busbetrieb.
Ein Teil der Verzögerung hat einen Namen, über den die Stadt selbst spricht: Erpressung an den Baustellen. Im März und Juli 2026 wurden Arbeiten in Khayelitsha und Nyanga nach Drohungen eingestellt, zwischen Juli 2025 und Mai 2026 brauchten die Baufirmen über 1.200 Sicherheitsbegleitungen, und im August 2026 erließ ein Gericht eine endgültige Verfügung gegen Behinderung und Schutzgeldforderungen.
Die Bahn
Die Metrorail fährt auf mehreren Linien, und für Reisende zählt vor allem eine: die Südlinie am Wasser entlang bis Simon's Town. Sie ist streckenweise so nah an der False Bay, dass die Gischt ans Fenster kommt, und sie hält in Muizenberg, St James, Kalk Bay und Fish Hoek.
Der Betrieb war jahrelang unterbrochen und läuft in Stufen wieder. Seit Februar 2026 fahren werktags durchgehende Züge bis Simon's Town, samstags nur bis Fish Hoek, sonntags und feiertags normalerweise nicht. Prüf den Fahrplan am Reisetag, gerade fürs Wochenende.
Minibus-Taxis
Für den größten Teil Kapstadts sind die weißen Minibusse das Verkehrsmittel, und sie transportieren mehr Menschen als alles andere zusammen. Es gibt keine Fahrpläne. Ziele werden per Handzeichen an der Straße und per Zuruf im Wagen verhandelt, und die Routen kennt man oder eben nicht.
Als Reisender kannst du sie benutzen, und viele tun es. Es hilft sehr, wenn jemand mitfährt, der die Strecke kennt. Ohne das verbringst du den Nachmittag damit, in die falsche Richtung getragen zu werden.