Der Tafelberg ist keine Spitze, sondern eine Fläche. Rund drei Kilometer misst das Plateau von einer Kante zur anderen, im Osten begrenzt vom Devil's Peak, im Westen vom Lion's Head. Der höchste Punkt liegt nicht dort, wo die Seilbahn ankommt. Er liegt am anderen Ende, und dazu gibt es zwei Zahlen.
Zwei Höhen, und warum beide richtig sind
1.084,6 Meter nennt die topografische Karte der staatlichen Landesvermessung für den Berg. 1.086 Meter gelten für Maclear's Beacon am östlichen Ende des Plateaus, den höchsten Punkt der ganzen Kaphalbinsel. Die Bergstation liegt auf 1.067 Metern und damit rund 19 Meter tiefer als der Steinhaufen, die Talstation an der Tafelberg Road auf 302. Wer die Zahlen mittelt, wirft die Information weg.
Den Steinhaufen gibt es seit 1865, und dahinter steckt eine Rechnung, die nicht aufging. Nicolas Louis de Lacaille hatte 1750 von Kapstadt aus einen Meridianbogen vermessen und daraus geschlossen, die Erde sei auf der Südhalbkugel schwächer gekrümmt als auf der Nordhalbkugel. George Everest sah sich die Messstelle 1820 an und hatte einen Verdacht. Sir Thomas Maclear rechnete den Einfluss der Bergmasse auf das Lot heraus und zeigte, dass die Krümmung in beiden Hemisphären gleich ist. Der Tafelberg hatte die Vermessung der Erde verfälscht.
- Höhe
- 1.084,6 mMaclear's Beacon 1.086 m
- Plateau
- rund 3 kmvon Kante zu Kante
- Talstation
- 302 mBergstation 1.067 m
- Nationalpark seit
- 1998221 Quadratkilometer
Woraus der Berg besteht
Die oberen rund 600 Meter sind Sandstein, 450 bis 510 Millionen Jahre alt. Das Gestein heißt Table Mountain Sandstone, in der heutigen Gliederung Peninsula-Formation, und es ist so hart, dass die Verwitterung kaum daran ankommt. Daher die grauen Steilwände. Darunter liegt eine nur 70 Meter dicke Lage rotbrauner Tonsteine aus flachem Gezeitenwasser, die Graafwater-Formation, gut zu sehen am Contour Path und im Einschnitt des Chapman's Peak Drive.
Das Fundament ist Kapgranit. Devil's Peak, Signal Hill, die City Bowl und ein großer Teil der Cape Flats stehen dagegen auf Malmesbury-Schiefer, und beide Gesteine sind spätpräkambrisch, mindestens 40 Millionen Jahre älter als die Schichten darüber. Granit verwittert zu fruchtbarerem Boden als der nährstoffarme Sandstein. Deshalb liegen die Weingärten der Halbinsel auf den unteren Hängen und nicht weiter oben.
Die Tischplatte war einmal ein Talboden. Der Berg ist eine Muldenfalte, und der Sattel dieser Faltung lag östlich davon; er wurde mitsamt dem weichen Schiefer darunter abgetragen, und übrig blieb die Sandebene der Cape Flats. Auf der anderen Seite steigen die gefalteten Berge wieder auf, als Hottentots-Holland-Kette. Was oben liegt, ist die härteste Lage der ganzen Formation.
Die Tischdecke
Der Südost wird an den Hängen nach oben gedrückt, kühlt beim Aufsteigen ab, und die Feuchtigkeit kondensiert zu einer Wolke, die genau an der Bergkante anfängt. Jenseits der Kante sinkt die Luft, erwärmt sich, und die Tröpfchen verdunsten wieder. Der Vorhang endet auf halber Wand. Die ältere Erklärung mit dem Piraten und dem Teufel steht unter Sehenswertes.
Für die Planung ist die Tischdecke ein Warnzeichen. Sie erscheint bei genau dem Wind, bei dem die Bahn stehenbleibt, und im Südsommer hält der tagelang durch. Wann er weht und wie hart, steht unter Reisezeit.
Die Twelve Apostles und ein Zählfehler
Nach Süden zieht vom Plateau eine Felskette an der Atlantikküste entlang, sechs Kilometer weit, fast bis Hout Bay. Im Mittel liegen ihre Gipfel auf 750 Metern, gut 300 Meter unter dem Tafelberg. Es sind achtzehn, nicht zwölf. Sie heißen Kloof, Porcupine, Kasteel, Slangolie oder Hout Bay Corner, und kein einziger davon ist ein Apostel.
Unter der Niederländischen Ostindien-Kompanie hieß die Kette Kasteelbergen oder Gevelbergen, Burg- und Giebelberge. Wer den biblischen Namen aufbrachte und wann, ist nicht sauber belegt. Nachgezählt hat ihn offenbar niemand.
Fynbos und der Baum, den es fast nur hier gibt
Auf der Kaphalbinsel wachsen rund 2.285 Pflanzenarten. 1.500 davon drängen sich auf den 57 Quadratkilometern von Tafelberg und Back Table, so viele wie im gesamten Vereinigten Königreich. Die Hauptvegetation trägt den Namen Peninsula Sandstone Fynbos und gilt als gefährdet, der Peninsula Granite Fynbos auf den unteren Hängen sogar als vom Verschwinden bedroht. Dazu kommen Renosterveld und kleine Reste afromontanen Waldes in den feuchten Schluchten.
Der Silberbaum ist der Fund, mit dem kaum jemand rechnet. Leucadendron argenteum, auf Afrikaans Silwerboom, trägt einen dichten Haarfilz auf den Blättern, der im Wind wie Metall aufblitzt, und sein natürliches Hauptvorkommen liegt an den Hängen dieses Bergs: am Lion's Head, über dem Rhodes Memorial und über Kirstenbosch. Drei kleine Bestände bei Stellenbosch, Somerset West und Paarl stehen daneben, und ob die von selbst dort wuchsen oder in der frühen Kapzeit gepflanzt wurden, ist bis heute offen. Rund 74 Prozent seines ursprünglichen Areals hat der Baum verloren.
Alt wird er nicht. Die meisten Silberbäume sterben vor dem zwanzigsten Jahr, und die Bestände erneuern sich über das Feuer, das die alten Pflanzen tötet und die Samen aus den Zapfen freigibt. Beim Brand vom 26. auf den 27. Januar 2006 verbrannten geschätzt 40 bis 50 Prozent des wilden Bestands. Er hat sich vollständig erholt.
Warum das Feuer dazugehört
Fynbos braucht Feuer. Abstände von zehn bis fünfzehn Jahren fördern die großen Proteen; brennt es häufiger, verschwinden Arten, und auf der Halbinsel ist genau das passiert. Aulax umbellata ist dort erloschen, dazu mehrere Zuckerbusch- und Nadelkissenarten, von denen ein Dutzend Pflanzen später im Sattel zwischen Tafelberg und Devil's Peak wiedergefunden wurde. Regelmäßig gebrannt hat es hier seit mindestens 12.000 Jahren, und dahinter steckt meistens der Mensch.
Die großen Brände tragen Daten. 1986 brannte es so schwer, dass eine Zeitungskampagne den Schutz des Bergs zum Thema machte, 1989 entstand ein Schutzgebiet über die ganze Halbinsel. Nach dem nächsten Großfeuer 1991 setzte man einen Verhandlungsführer ein, 1995 empfahl ein Gutachten die Nationalparkverwaltung als Träger, im April 1998 wechselten rund 39.500 Acre den Besitzer, und am 29. Mai 1998 proklamierte Nelson Mandela den Cape Peninsula National Park. Der heißt heute Table Mountain National Park, misst 221 Quadratkilometer und reicht in drei Abschnitten vom Signal Hill über Silvermine und Tokai bis Cape Point. Er gehört zur Welterbestätte des Kapensischen Florenreichs.
An das Feuer vom April 2021 erinnert sich die Stadt. Es lief über den Osthang, erreichte das Rhodes Memorial und griff auf die Universität über. Die Jagger-Bibliothek, der Lesesaal der Afrikasammlung, brannte teilweise aus. Die Brandmeldeanlage verhinderte den Verlust des ganzen Bestands, die Bergung endete am 18. Mai, und was gerettet wurde, liegt seither in ausgelagerten Depots.
Die Seilbahn und wovon sie abhängt
Dreimal ist die Bahn seit ihrem ersten Jahr erneuert worden: 1958, 1974 und zuletzt von 1996 bis 1997. Der letzte Umbau brachte die Rotair-Kabinen mit dem drehenden Boden. Zur Kapazität der alten Kabinen stehen in denselben Quellen zwei Zahlen nebeneinander, 20 und 25 Personen. Heute fahren 65 mit, und die 765 Höhenmeter zwischen den Stationen dauern vier bis fünf Minuten.
Ob gefahren wird, entscheidet der Wind. Der Betreiber zeigt auf seiner Website Temperatur, Sicht und Windstärke des Tages, dazu eine Webcam und die Wartezeiten an beiden Stationen. Die zweite Wartezeit ist die, die dich den Nachmittag kostet, denn oben steht man oft länger als unten. Die Betriebszeiten wandern mit der Jahreszeit: Im Hochsommer geht die letzte Bergfahrt rund drei Stunden später als im Winter, und die letzte Talfahrt liegt jeweils eine Stunde danach.
Und ja, es gibt eine jährliche Wartungspause. Für 2026 lag sie von Montag, dem 27. Juli, bis Sonntag, dem 9. August, vierzehn Tage am Stück, die Wiedereröffnung war für den 10. August angesetzt und stand unter Wettervorbehalt. Die Wanderwege bleiben in dieser Zeit offen, die Bahn nicht. Wer im Juli oder August kommt, sieht vorher auf der Seite des Betreibers nach.
Unser TippLeg den Berg nicht ans Ende der Reise. Der Südost hält im Sommer manchmal drei Tage am Stück durch, und im Winter nimmt die Wartungspause zwei Wochen aus dem Kalender. Zwei Ersatztage sind das Mindeste.
Wer oben die letzte Talfahrt verpasst, geht nicht einfach los. An der Bergstation steht ein Nottelefon, und der Rettungsdienst am anderen Ende sagt, wie es weitergeht. Im Dunkeln die Kante nach einem Abstieg abzusuchen, ist der Fehler, der die Bergrettung beschäftigt.
Zu Fuß hinauf, und was die Wege unterscheidet
Die Wege in der Übersicht stehen unter Freizeit. Platteklip Gorge ist der direkte Aufstieg durch die Vorderwand, 600 Höhenmeter von der Tafelberg Road bis auf das Plateau, und zweieinhalb Stunden gelten als normal. Technisch verlangt der Weg nichts. Schatten hat er auch nicht, weil die Schlucht nach Norden zeigt und die Sonne den ganzen Vormittag hineinsteht.
Von der Ostseite ist es länger und grüner. Skeleton Gorge und Nursery Ravine beginnen in Kirstenbosch; die Fortsetzung von Skeleton Gorge bis zum Maclear's Beacon heißt Smuts Track, nach Jan Smuts, der sie regelmäßig ging. Der sanfteste Anstieg ist der Bridle Path von Constantia Nek, die alte Versorgungsstraße zu den Stauseen. Und der Contour Path quert den ganzen Osthang, von Constantia Nek auf 250 Metern bis zur Tafelberg Road auf 400.
An der Atlantikseite steigt Kasteelspoort über Camps Bay auf. Die Rinne war einmal eine Baustelle: Zwischen 1896 und 1907 lief hier eine Materialseilbahn, die Steine und Arbeiter für fünf Stauseen auf den Back Table hinaufbrachte, und die Ankerpunkte der alten Bergstation stehen noch. Die Pipe Track darunter bleibt auf rund 300 Metern und läuft unter den Felsen entlang, bis sie bei Oudekraal in die Schlucht abbiegt und auf 685 Metern den Apostles Path erreicht. Sie ist der Weg für alle, die nicht hoch wollen.
India Venster ist kein Wanderweg. Er zieht durch die Felsen unterhalb der Seilbahn, verlangt streckenweise die Hände, ist nicht durchgehend markiert, und am Einstieg steht ein Warnschild. Das Schild ist keine Formalie.
AchtungGeh nicht allein, und sag jemandem, welchen Weg du nimmst und wann du zurück sein willst. Nebel und Kälte fallen auf dem Plateau zu jeder Jahreszeit innerhalb einer halben Stunde ein, und Karten der Routen bekommst du in Buch- und Outdoorläden der Stadt. Die Bergrettung Wilderness Search and Rescue erreichst du unter 021 937 0300, geprüft im August 2026.
Oben auf dem Plateau
An der Bergstation gibt es Läden, ein Restaurant und ein Netz kurzer Wege über die Fläche. Nach Norden liegen Table Bay und Robben Island im Blick, nach Westen und Süden die Atlantikküste. Hinter dem Plateau schließt der Back Table an, mit fünf Stauseen aus den Jahren 1896 bis 1907. Am Hely-Hutchinson-Damm steht ein kleines Museum mit der Dampflok, die das Baumaterial über die flache Höhe zog.
Und dann die Dassies. Der Klippschliefer sieht aus wie ein sehr großes Meerschweinchen, wiegt rund vier Kilogramm, misst einen halben Meter, lebt in Kolonien von zehn bis achtzig Tieren und stellt Wachposten auf. Sein nächster lebender Verwandter ist der Elefant. Die oberen Schneidezähne wachsen wie kleine Stoßzähne, und die Hoden der Männchen bleiben zeitlebens im Bauchraum; beides teilt er mit Elefanten und Seekühen.
Zu sehen sind sie nicht immer. Zwischen etwa 2000 und 2004 brach ihr Bestand am Berg aus ungeklärten Gründen ein, und mit ihm ging die Zahl der Schwarzadler auf der Halbinsel zurück, für die Dassies die Hauptbeute sind. Ab 2011 tauchten sie wieder auf, zuerst unten in Bakoven, 2015 auch wieder am Restaurant oben. So zahlreich wie in den neunziger Jahren sind sie bis heute nicht.
Füttern ist trotzdem der falsche Reflex, denn früher sammelten sich die Tiere genau dort, wo Reisende Essen liegen ließen. Außerdem lebt am Berg ein Frosch, den es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Er heißt Tafelberg-Geisterfrosch und sitzt in den nassen Schluchten, wo im Januar auch die rote Disa uniflora blüht.
Was du mitnimmst
Zwischen Tal- und Bergstation liegen 765 Höhenmeter. Nach der üblichen Faustregel für die Temperaturabnahme sind das rund fünf Grad, und auf dem Plateau steht fast immer Wind. Eine Jacke ist hier keine Vorsicht, sondern Ausrüstung. Dazu Wasser, feste Schuhe für die Wege oben und Sonnenschutz, weil es keinen Schatten gibt.
Woher der Name kommt
Die Khoekhoe nannten den Berg Huriǂoaxa, aus dem Meer aufsteigend. In der verschriftlichten Form Hoerikwaggo trägt der Name heute die Fernwanderwege des Nationalparks. António de Saldanha stieg 1503 durch die Platteklip-Schlucht hinauf, die erste überlieferte Besteigung, und nannte den Berg Taboa do Cabo, Tafel des Kaps. Das Kreuz, das er in den Fels des Lion's Head schlug, ist noch zu erkennen.
1796 ließ die britische Besatzung drei Blockhäuser auf dem Berg errichten. Zwei sind Ruinen, das King's Blockhouse steht und ist vom Rhodes Memorial aus zu Fuß zu erreichen. Und eine Sache hat der Berg allen anderen voraus: Er ist das einzige Geländemerkmal der Erde, nach dem ein Sternbild benannt ist. Mensa, der Tisch, steht am Südhimmel.