Southern Suburbs

Bishopscourt

Hohe Mauern, dahinter alte Bäume, dazwischen Einfahrten mit Gegensprechanlage. Über allem steht die Ostwand des Tafelbergs, so nah, dass hier deutlich mehr Regen fällt als sonst auf der Halbinsel. Auf gut zwei Quadratkilometern stehen rund 350 Häuser.

Bishopscourt liegt rund sieben Kilometer südlich der Innenstadt, am Osthang unter dem Tafelberg, zwischen Newlands und dem Constantia-Tal. 2,31 Quadratkilometer, 1.603 Einwohner beim Zensus 2011, davon 74 Prozent als weiß erfasst und 85 Prozent mit Englisch als Erstsprache. Rund 350 Häuser stehen auf dieser Fläche, viele hinter Mauern, dazu eine ganze Reihe ausländischer Konsulate. Ein MyCiTi fährt nicht hierher, die nächste Haltestelle liegt knapp fünf Kilometer entfernt, und im Ausbau bis 2027 taucht das Viertel nicht auf. Ohne Auto kommst du schlecht her, und viel zu tun gibt es hier auch nicht.

Der Name gehört nicht dem Viertel, sondern einem Haus. Jan van Riebeeck ließ am Hang eine Farm anlegen und nannte sie Bosheuvel, Buschhügel; angebaut wurden dort eingeführte Reben, Obst- und Nussbäume. Später hieß das Gut Protea, nach dem Eigentümer H. Maynier. In den 1830er Jahren machte Gouverneur Sir Lowry Cole einen Sommersitz daraus, und 1849 kaufte die anglikanische Kirche das Anwesen. Seitdem ist Bishopscourt die Amtswohnung der Bischöfe und Erzbischöfe von Kapstadt, und der Stadtteil trägt den Namen dieses einen Hauses.

Der Erzbischof, der ohne Genehmigung einzog

Am 7. September 1986 wurde Desmond Tutu in der St.-Georgs-Kathedrale inthronisiert, vor über 1.300 Gästen, als erster schwarzer Erzbischof von Kapstadt. Dann zog er in seine Amtswohnung. Bishopscourt war nach dem Group Areas Act ein Gebiet für Weiße, und Tutu hatte keine Genehmigung, dort zu wohnen; sein Einzug war damit formal illegal. Geräumt hat ihn niemand.

Er baute das Haus mit Kirchengeld um, legte einen Kinderspielplatz an und öffnete den Swimmingpool für Gemeindemitglieder, in einem Viertel, in dem sonst niemand vorbeikam, der nicht dort wohnte. Nach Angaben der Anwohnervereinigung verbrachte Nelson Mandela nach seiner Freilassung 1990 die erste Nacht in Freiheit in diesem Haus, als Gast von Desmond und Leah Tutu. Wer die Mauern von Bishopscourt für die ganze Geschichte hält, verpasst also die Pointe.

Protea Village, und wer hier vorher wohnte

Der alte Gutsname lebt an anderer Stelle weiter. An der Grenze zum heutigen Kirstenbosch lag Protea Village, ein Wohnort für Familien, die das Regime als nicht weiß einstufte. Er war da, lange bevor das Viertel so hieß wie heute.

Zwischen 1959 und 1970 wurden nach dem Group Areas Act 132 Familien aus dem Gebiet vertrieben, damit Bishopscourt ein weißes Wohngebiet werden konnte. Andere Darstellungen nennen als Zeitraum die fünfziger bis siebziger Jahre. 1995 meldeten die Nachfahren einen Landanspruch an. 2006 sprach ihnen der Staat Grundstücke zu. Und erst 2025 begann der Bau für die 86 Familien, die zurückkommen wollten, dreißig Jahre nach dem Antrag.

Wie weit die Stadt heute noch geteilt ist, lässt sich an zwei Reviersstatistiken ablesen. Für April 2025 bis März 2026 meldete das Polizeirevier Claremont, zu dem Bishopscourt gehört, keinen einzigen Mord. Im selben Zeitraum waren es im Revier Delft 239. Das sind absolute Zahlen zweier unterschiedlich großer Reviere, und trotzdem beschreiben beide dieselbe Stadt. Wie solche Zahlen zu lesen sind, steht unter Sicherheit.

Kirstenbosch nebenan

Westlich grenzt der Nationale Botanische Garten Kirstenbosch an, 528 Hektar am Berghang, gegründet am 13. Juli 1913 und der erste botanische Garten der Welt, der auf einheimische Pflanzen setzte. Das Land hatte Cecil Rhodes 1895 gekauft und bei seinem Tod 1902 dem Staat vermacht. Auf dem Gelände stehen noch Reste einer Hecke aus wilden Mandelbäumen, die 1660 auf Anweisung von Jan van Riebeeck als Grenze der Kolonie gepflanzt wurde. Garten und Wohnviertel gehen auf dasselbe Gut zurück, und die Hecke ist das älteste Stück davon, das du anfassen kannst.

Für Besucher ist das der praktische Punkt. Bishopscourt ist ein reines Wohngebiet, rund 350 Häuser hinter Mauern und sonst wenig. Der Garten dagegen ist öffentlich und der Grund, warum Reisende überhaupt in diese Ecke fahren. Übernachten wirst du in Newlands oder im Constantia-Tal.

Was das Viertel kostet, und was das bedeutet

Bishopscourt gehört zu den teuersten Wohnlagen Südafrikas. Eine Auswertung vom November 2015 führte es auf Platz sechs der reichsten Vororte des Landes, mit einem durchschnittlichen Grundstückswert von elf Millionen Rand. Grundstücke sind groß, Häuser stehen weit auseinander, und die Einwohnerzahl von 1.603 auf 2,31 Quadratkilometern ergibt eine Dichte, die im Bo-Kaap oder in Langa niemand kennt. Langa kommt auf rund 17.000 Menschen je Quadratkilometer, Bishopscourt auf etwa 700.

Fahr ruhig durch. Die Straßen sind öffentlich, und ein Umweg von Newlands nach Constantia führt ohnehin hier vorbei. Nur bleibt hinter den Mauern wenig sichtbar, und die Geschichte, die dieses Viertel interessant macht, steht nicht am Straßenrand. Sie liegt in dem, was 1959 hier abgeräumt wurde und 2025 wieder anfing.

Vom Zentrum
7,0 kmLuftlinie zur Grand Parade
Einwohner
1.603Zensus 2011, sub place Bishopscourt
MyCiTi
fährt nicht

Unser TippSuch in Kirstenbosch die Reste der Hecke aus wilden Mandelbäumen, die 1660 auf Anweisung von Jan van Riebeeck als Kolonialgrenze gepflanzt wurde: Sie ist das älteste sichtbare Stück des Guts, aus dem später Bishopscourt wurde.

Sicherheit in Bishopscourt

Zuständig ist das Polizeirevier Claremont. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für Bishopscourt allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.

Morde
0
Straßenraub
68ohne Waffe
Raub mit Waffe
85auch Überfälle auf Fahrzeuge
Autoraub
9
Wohnungseinbruch
107

Gemeldete Fälle im Revier Claremont, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.

Bishopscourt: häufige Fragen

Woher hat Bishopscourt seinen Namen?

Bishopscourt in Kapstadt ist nach der Amtswohnung des anglikanischen Erzbischofs von Kapstadt benannt. Das Anwesen war ursprünglich die Farm Bosheuvel, die Jan van Riebeeck anlegen ließ, hieß später unter dem Eigentümer H. Maynier Protea und wurde 1849 von der anglikanischen Kirche gekauft. Der ganze Stadtteil trägt seitdem den Namen dieses einen Hauses.

Wohnte Desmond Tutu in Bishopscourt?

Ja. Desmond Tutu wurde am 7. September 1986 als erster schwarzer Erzbischof von Kapstadt inthronisiert und zog danach in die Amtswohnung Bishopscourt. Das Viertel war nach dem Group Areas Act für Weiße reserviert, und Tutu hatte keine behördliche Genehmigung, dort zu wohnen. Sein Einzug war formal illegal, wurde von der Regierung aber nicht verfolgt.

Wurden in Bishopscourt Menschen zwangsumgesiedelt?

Ja. An der Grenze zum heutigen Kirstenbosch lag die Gemeinschaft Protea Village. Nach dem Group Areas Act wurden dort zwischen 1959 und 1970 nach einer Zählung 132 Familien vertrieben, damit Bishopscourt ein weißes Wohngebiet werden konnte; andere Darstellungen nennen die fünfziger bis siebziger Jahre. 1995 wurde ein Landanspruch angemeldet, 2006 folgte der Zuspruch, und 2025 begann der Bau für 86 zurückkehrende Familien.

Wie kommt man nach Bishopscourt?

Nur mit dem Auto oder einem Taxi über eine App. Nach Bishopscourt in Kapstadt fährt kein MyCiTi, die nächste Haltestelle liegt knapp fünf Kilometer entfernt, und im Ausbau des Busnetzes bis 2027 kommt das Viertel nicht vor. Einen Bahnhof gibt es ebenfalls nicht.

Was hat Kirstenbosch mit Bishopscourt zu tun?

Der Nationale Botanische Garten Kirstenbosch grenzt westlich an Bishopscourt und geht auf dasselbe Gut am Tafelberghang zurück. Cecil Rhodes kaufte das Land 1895 und vermachte es 1902 dem Staat, der Garten wurde am 13. Juli 1913 gegründet. Auf dem Gelände stehen Reste einer Hecke aus wilden Mandelbäumen, die 1660 auf Anweisung von Jan van Riebeeck als Grenze gepflanzt wurde.