City Bowl

De Waterkant

Kopfstein, pastellfarbene Reihenhäuser, ein Regenbogen quer über den Asphalt. An der Ecke Somerset Road und Buitengracht Street steht ein flacher Bau, in dem die Gebeine von über zweitausend Menschen aufbewahrt werden. Beides gehört zu diesem Viertel, und beides hat miteinander zu tun.

De Waterkant ist klein. Dreißig Hektar am unteren Hang des Signal Hill, eingeklemmt zwischen dem Bo-Kaap oberhalb, dem Zentrum im Osten und dem Hafen im Norden. Durch das Viertel laufen zwei Hauptstraßen, die Somerset Road und die Strand Street. Dazwischen enge Gassen, teils noch Kopfsteinpflaster, Reihenhäuser in Pastell. Zu Fuß bist du von hier in beide Richtungen schnell weg, in die Long Street wie zur Waterfront.

Entstanden ist das Viertel zwischen 1793 und 1894, als Teil desselben Zusammenhangs wie das Bo-Kaap. Hier wohnten Handwerker, Kunsthandwerker und freigelassene Versklavte, und die Bauweise ist die gleiche geblieben. Dann kam der Group Areas Act. De Waterkant wurde zum weißen Viertel erklärt, und wer als schwarz oder als „coloured“ eingestuft war, musste weg. Die Häuser blieben stehen. Die Bewohner nicht.

Wie daraus Kapstadts Gay Village wurde

Anfang der neunziger Jahre zogen weiße Männer der Mittelschicht in die leerstehenden Cottages. In kurzer Folge eröffneten zwei Bars, ein Club und ein Restaurant, die sich ausdrücklich an schwule Gäste richteten. Der Geograf Gustav Visser hat diesen Vorgang untersucht: Er datiert den Zuzug auf die frühen neunziger Jahre, in eine Zeit, in der Homosexualität in Südafrika geduldet, aber nicht geschützt war. Das änderte 1996 die neue Verfassung, die als eine der ersten weltweit die sexuelle Orientierung ausdrücklich schützte. Erst danach ließ sich dauerhaft investieren.

Parallel entstand 1994 ein Geschäftsmodell, das das Viertel bis heute prägt: Private kaufen ein Cottage als Zweitwohnsitz, eine Firma vermietet es an Touristen, wenn der Eigentümer nicht da ist. Binnen fünf Jahren waren drei Viertel der Häuser renoviert. Seit 2001 gehört De Waterkant zum Green Point City Improvement District, der für Sauberkeit und Bewachung sorgt. Heute stehen hier das Cape Quarter mit Läden und Lokalen, rund dreißig Restaurants und Cafés, acht Bars und Clubs, seit 2022 Kapstadts erster Regenbogen-Zebrastreifen und ein ausgeschilderter Rundgang, die „Pink Route“.

Was unter dem Pflaster liegt

2003 hoben Bagger in der Prestwich Street die Grube für einen Wohnkomplex aus und stießen auf Knochen. Es war ein Begräbnisplatz aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in dem die Versklavten, die Hingerichteten und die Armen der Kapkolonie lagen, ohne Steine und ohne Namen. Geborgen wurden über zweitausend menschliche Überreste. Die Denkmalbehörde SAHRA erlaubte Archäologen der Universität Kapstadt die Exhumierung, und das gegen den Protest von Gruppen, die sich als Nachfahren verstanden und den Ort in Ruhe gelassen sehen wollten. 2008 eröffnete an der Ecke Buitengracht Street und Somerset Road das Prestwich Memorial, ein Beinhaus mit Ausstellungsraum, verkleidet mit Schiefer von Robben Island.

Damit hat das Viertel zwei Erzählungen, und sie passen nicht zusammen. Die eine steht in den Vermietungsanzeigen: historische Cottages des 19. Jahrhunderts, liebevoll restauriert, europäisches Dorfgefühl mitten in der Stadt. Die andere steht in der Masterarbeit von Albert Reitzema und bei Visser: dieselben Häuser, gebaut von Handwerkern und freigelassenen Versklavten, deren Nachfahren unter dem Group Areas Act vertrieben wurden, und unter der Straße die Gräber derer, die noch weiter unten standen. Beide Fassungen sind wahr. Wer nur die erste liest, bekommt die Hälfte.

Ein Viertel mit 361 Einwohnern

Der Zensus 2011 zählte in De Waterkant 361 Menschen. Das ist wenig für dreißig Hektar mitten in einer Millionenstadt, und der Grund ist die Ferienvermietung. Anfang der neunziger Jahre wechselte ein Cottage von rund 160 Quadratmetern im Schnitt für 336.000 Rand den Besitzer; 2013 lag der Schnitt für ein vergleichbares Haus bei 4,56 Millionen. Im August 2026 hat die Stadt einen Entwurf für eine Verordnung zur Kurzzeitvermietung vorgelegt: Registrierung, eine sichtbare Registriernummer, Meldung der Verfügbarkeit, und der gewerbliche Grundsteuersatz für alle, die ihre Wohnung mehr als die Hälfte des Jahres anbieten. Die Kommentierungsfrist lief bis Anfang Oktober 2026.

Für dich als Gast heißt das erst mal wenig. Praktisch ist die Lage: Du wohnst zwischen Zentrum und Waterfront und brauchst für beides kein Auto, was in Kapstadt selten ist. Rechne dafür mit Lärm. Die Somerset Road ist eine Ausgehstraße, an Wochenenden bis spät, und die Gassen sind so eng, dass Stimmen von der Straße im Schlafzimmer ankommen. Parkplätze gibt es kaum. Die MyCiTi-Haltestelle Old Fire Station liegt rund zweihundert Meter vom Kern des Viertels, Alfred etwa dreihundertfünfzig, und nachts gilt hier wie in der ganzen Innenstadt: kurze Wege zu Fuß, längere per App-Taxi.

Vom Zentrum
1,4 kmLuftlinie zur Grand Parade
Einwohner
361Zensus 2011, sub place De Waterkant
MyCiTi
fährtLinien 105, 108, 109, 118
Unterkünfte
19 HäuserPreisniveau 4 von 5

Unser TippGeh ins Prestwich Memorial an der Ecke Buitengracht Street und Somerset Road, bevor du dich ins Cape Quarter setzt; es ist kein Schild an einer Wand, sondern ein Beinhaus mit Ausstellungsraum, und danach siehst du die pastellfarbenen Gassen anders.

Sicherheit in De Waterkant

Zuständig ist das Polizeirevier Cape Town Central. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für De Waterkant allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.

Morde
7
Straßenraub
1.428ohne Waffe
Raub mit Waffe
516auch Überfälle auf Fahrzeuge
Autoraub
16
Wohnungseinbruch
206

Gemeldete Fälle im Revier Cape Town Central, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.

Übernachten in De Waterkant

AnzeigeDie Häuser unten stammen aus dem Angebot von trivago. Klickst du auf einen der Knöpfe, kommst du zur Preisübersicht dort, und wir bekommen bei einer Buchung eine Provision. Welche Häuser hier stehen, entscheidet die Bewertung der Gäste, nicht die Provision.

Rouge on Rose Boutique Hotel9,6/10

Boutique-HotelCity Bowl

Rouge on Rose Boutique Hotel

25 Rose St

  • Frühstück
  • Restaurant
  • Küche
  • Parkplatz

ab 122 €pro Nacht am 02.10.2026

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The Tree House Boutique Hotel9,5/10

Boutique-HotelCity Bowl★★★★★

The Tree House Boutique Hotel

28 Vesperdene Rd

  • Pool
  • Spa
  • Frühstück
  • Parkplatz

ab 134 €pro Nacht am 28.09.2026

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La Rose B&B9,4/10

B&BCity Bowl

La Rose B&B

32 Rose St

  • Frühstück
  • Restaurant
  • Klimaanlage
  • WLAN

ab 103 €pro Nacht am 10.11.2026

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Zest Boutique Hotel9,4/10

Boutique-HotelCity Bowl★★★★★

Zest Boutique Hotel

2 Braemar Rd

  • Pool
  • Spa
  • Frühstück
  • Parkplatz

ab 158 €pro Nacht am 28.09.2026

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Cape Diem Lodge9,4/10

LodgeCity Bowl

Cape Diem Lodge

11 Vesperdene Rd

  • Pool
  • Spa
  • Frühstück
  • Parkplatz

ab 201 €pro Nacht am 28.09.2026

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Cape Finest Guesthouse9,3/10

GästehausCity Bowl

Cape Finest Guesthouse

17 Loader St

  • Pool
  • Frühstück
  • Küche
  • Klimaanlage

ab 82 €pro Nacht am 02.10.2026

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Alle 19 Häuser in De Waterkant ansehen

De Waterkant: häufige Fragen

Was ist De Waterkant in Kapstadt?

De Waterkant ist ein kleines Viertel am unteren Signal Hill zwischen dem Bo-Kaap, dem Zentrum und dem Hafen, rund 0,30 Quadratkilometer groß. Es fällt durch Kopfsteinpflaster und pastellfarbene Reihenhäuser auf und ist heute Kapstadts Ausgehviertel mit dem Cape Quarter.

Warum gilt De Waterkant als Kapstadts Gay Village?

Anfang der neunziger Jahre zogen schwule Männer der Mittelschicht in die Cottages von De Waterkant, und es eröffneten die ersten Bars und Clubs, die sich ausdrücklich an sie richteten. Nach dem Verfassungsschutz der sexuellen Orientierung ab 1996 verfestigte sich das. Heute führen ein Regenbogen-Zebrastreifen von 2022 und der Rundgang „Pink Route“ durch das Viertel.

Wer wohnte früher in De Waterkant?

De Waterkant entstand zwischen 1793 und 1894 im selben Zusammenhang wie das Bo-Kaap und war ein Viertel der Handwerker und der freigelassenen Versklavten. Unter dem Group Areas Act wurde es zum weißen Viertel erklärt; die als schwarz und als „coloured“ eingestuften Bewohner mussten wegziehen.

Was hat es mit dem Prestwich Memorial auf sich?

Beim Ausheben einer Baugrube in der Prestwich Street in De Waterkant kamen 2003 Knochen zutage: ein Begräbnisplatz des 17. und 18. Jahrhunderts für Versklavte, Hingerichtete und Arme. Über zweitausend Überreste wurden geborgen, gegen den Protest von Nachfahrengruppen. Seit 2008 bewahrt das Prestwich Memorial an der Ecke Buitengracht Street und Somerset Road sie in einem Beinhaus auf.

Kann man in De Waterkant wohnen?

In De Waterkant gibt es viele Ferienwohnungen und Gästehäuser, und du erreichst von dort Zentrum und Waterfront zu Fuß. Der Zensus 2011 zählte allerdings nur 361 feste Einwohner, weil ein großer Teil der Häuser vermietet wird oder Zweitwohnsitz ist. Rechne an Wochenenden mit Lärm von der Somerset Road.