Die V&A Waterfront ist kein gewachsenes Wohnviertel, sondern ein Stück Hafen, das ab Ende der achtziger Jahre umgebaut wurde. Sie liegt zwischen Zentrum und Green Point, rund 123 Hektar groß. Vom Civic Centre läufst du in gut zwanzig Minuten hin, mit der MyCiTi kommst du über die Station Waterfront und die Halte Breakwater, Nobel Square, Aquarium, Marina, Silo und Portswood. Der Zensus kennt zwar eine Einheit V & A Waterfront mit gut 1.500 Einwohnern, aber das sind im Wesentlichen die Bewohner der Marina-Apartments, und als Einwohnerzahl eines Stadtteils führt die Zahl in die Irre.
Der Hafen ist älter als alles ringsum. Am 17. September 1860 kippte der sechzehnjährige Prinz Alfred die erste Ladung Stein für den Wellenbrecher, und nach ihm und seiner Mutter heißen die beiden Becken bis heute. Gearbeitet wird hier weiter: Schlepper, Lotsenboote, Fischkutter, ein Trockendock und ein Schiffslift liegen mitten zwischen den Läden. Das war 1988 so beschlossen worden, als der Staatskonzern Transnet die Entwicklungsgesellschaft gründete.
1990 machten die ersten beiden Lokale auf, Ende 1992 folgte das Einkaufszentrum Victoria Wharf. Heute nennt die Waterfront für 2025 25 Millionen Besucher, und über 23.000 Menschen arbeiten und wohnen auf dem Gelände. Das Two Oceans Aquarium gibt es seit 1995. Das Zeitz MOCAA öffnete am 22. September 2017 in einem Getreidesilo von 1921 bis 1924, den Thomas Heatherwick von innen ausgehöhlt hat, und die Fähren nach Robben Island fahren am Nelson Mandela Gateway ab.
Ein privates Gelände, das sich anfühlt wie eine Stadt
Die Waterfront gehört seit 2011 zu gleichen Teilen dem Immobilienkonzern Growthpoint und der Public Investment Corporation, die den Pensionsfonds der südafrikanischen Staatsbediensteten verwaltet. Zusammen zahlten sie rund 9,6 Milliarden Rand. Die Hälfte dieses angeblich so privaten Areals gehört damit den Beamten des Landes. Verwaltet wird es trotzdem privat, mit eigener Sicherheit, eigenen Regeln, eigenem Hausrecht. Genau deshalb fühlt es sich hier so anders an als in der Long Street.
Wie weit dieses Hausrecht reicht, hat ein Gericht geklärt. Am 23. Dezember 2003 erwirkte die Betreibergesellschaft eine einstweilige Verfügung gegen zwei Männer, die Besucher belästigt haben sollen. Das Gericht gab ihr recht, hielt aber fest, dass das Recht auszuschließen begrenzt ist, weil das Publikum ausdrücklich eingeladen wird, auch ohne dort etwas zu kaufen. Das Urteil gilt in Südafrika als Leitentscheidung zu halböffentlichen Räumen.
Für deutsche Leser sind das die zwei Seiten derselben Sache. Das Gelände ist eines der sichersten der Stadt: Das Polizeirevier Table Bay Harbour, das nur Granger Bay, den Hafen und die Waterfront abdeckt, verzeichnete zwischen April 2025 und März 2026 keinen Mord und vier einfache Raubdelikte. Vergleichbar mit einem Flächenrevier ist das nicht, das Bild vom bewachten Areal bestätigt es aber. Und der Journalist Tony Jackman, der den Umbau von Anfang an begleitet hat, schrieb 2023 im Daily Maverick, hier spreche nichts mehr zu einem Menschen mit einem normalen Monatsbudget. Wer die Waterfront steril findet, meint dieselbe Eigenschaft, die andere daran schätzen.
Granger Bay: das Areal soll sich verdoppeln
Nebenan, an der Granger Bay, plant die Waterfront ihre größte Erweiterung. Nach Angaben der Eigentümer geht es um 20 bis 24 Milliarden Rand, verteilt über zehn bis fünfzehn Jahre, dazu knapp vier Hektar, die dem Meer abgerungen werden sollen. Vorgesehen sind ein Hotel, Mietwohnungen, Seniorenwohnen und ein Zentrum für Meeresschildkröten am Aquarium. Geschäftsführer Graham Wood sagt, das Gelände werde sich dadurch etwa verdoppeln.
Das Umweltverfahren läuft seit Februar 2026, die Genehmigung wird für 2027 erwartet. In den bisher genannten Plänen kommt bezahlbarer Wohnraum nicht vor. Daran setzt die Kritik an, denn wenige Kilometer weiter hat das Verfassungsgericht Stadt und Provinz im Juli 2026 aufgetragen, ausgerechnet in dieser Lage für bezahlbare Wohnungen zu sorgen. Die Waterfront bindet dieses Urteil nicht. Die Debatte trifft sie trotzdem.
Robben Island, Wind und volle Stunden
Die Fähre nach Robben Island legt am Nelson Mandela Gateway ab, mehrmals täglich, und die ganze Tour dauert mit Überfahrt dreieinhalb Stunden. Buch früh. In der Hauptsaison von November bis April sind die Plätze Wochen vorher weg. Und rechne damit, dass eine Fahrt ausfällt, denn bei Wind und Seegang fährt nichts.
Der Südostwind trifft auch die Waterfront, kommt hier aber gebrochener an als auf der Promenade in Sea Point, weil zwischen dir und dem offenen Wasser meistens ein Gebäude steht. Voll wird es zwischen Mittag und Abend, besonders im südafrikanischen Sommer, wenn zusätzlich Kreuzfahrtschiffe anliegen. Morgens hast du die Becken beinahe für dich. Parken ist reichlich vorhanden und kostet, für die kurze Strecke ins Zentrum ist die MyCiTi der einfachere Weg.
- Vom Zentrum
- 2,5 kmLuftlinie zur Grand Parade
- MyCiTi
- fährtLinien 104, 113, D05, T01 und weitere
- Unterkünfte
- 14Preisniveau 5 von 5
Unser TippDie Fähre nach Robben Island fällt bei Wind und Seegang aus, und Wind hat Kapstadt fast das ganze Jahr. Leg die Überfahrt deshalb auf einen der ersten Tage deiner Reise, dann bleibt dir ein zweiter Versuch.
Sicherheit in Waterfront
Zuständig ist das Polizeirevier Table Bay Harbour. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für Waterfront allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.
- Morde
- 0
- Straßenraub
- 4ohne Waffe
- Raub mit Waffe
- 1auch Überfälle auf Fahrzeuge
- Autoraub
- 0
- Wohnungseinbruch
- 1
Gemeldete Fälle im Revier Table Bay Harbour, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.
Übernachten in Waterfront
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Waterfront: häufige Fragen
Wohnt an der V&A Waterfront überhaupt jemand?
Die V&A Waterfront in Kapstadt ist ein umgebautes Hafenareal und kein gewachsenes Wohnviertel. Der Zensus 2011 führt zwar eine Einheit V & A Waterfront mit gut 1.500 Einwohnern, das sind aber im Wesentlichen die Bewohner der Apartments an der Marina. Als Einwohnerzahl eines Stadtteils taugt die Zahl nicht.
Wem gehört die V&A Waterfront?
Die V&A Waterfront in Kapstadt gehört seit 2011 je zur Hälfte dem Immobilienkonzern Growthpoint und der Public Investment Corporation, die das Vermögen des Pensionsfonds der südafrikanischen Staatsbediensteten verwaltet. Zusammen zahlten die beiden rund 9,6 Milliarden Rand. Das Areal wird privat verwaltet, gehört also zur Hälfte mittelbar dem Staatsdienst des Landes.
Warum fühlt sich die V&A Waterfront so sicher an?
Die V&A Waterfront ist privat verwaltetes Gelände mit eigener Sicherheit und eigenem Hausrecht, und das kleine Polizeirevier Table Bay Harbour, das nur den Hafen, Granger Bay und die Waterfront abdeckt, weist für April 2025 bis März 2026 keinen Mord und vier einfache Raubdelikte aus. Mit einem Flächenrevier lässt sich das nicht vergleichen. Ein Kapstädter Gericht stellte 2003 zugleich fest, dass das Recht der Betreiber, Menschen vom Gelände zu weisen, begrenzt ist, weil das Publikum ausdrücklich eingeladen wird.
Wo fährt die Fähre nach Robben Island ab?
Die Fähren nach Robben Island legen am Nelson Mandela Gateway an der V&A Waterfront in Kapstadt ab, mehrmals am Tag. Mit Überfahrt, Bustour und Rundgang durch das Gefängnis dauert der Besuch dreieinhalb Stunden. Bei Wind und Seegang fallen Fahrten aus, und in der Hauptsaison von November bis April sind die Plätze Wochen im Voraus vergeben.
Ist die V&A Waterfront noch ein arbeitender Hafen?
Ja. Zwischen den Läden und Hotels der V&A Waterfront liegen weiterhin Schlepper, Lotsenboote und Fischkutter, dazu ein Trockendock und ein Schiffslift für Reparaturen. Dass der arbeitende Teil des Hafens erhalten bleibt, war beim Umbau ab 1988 ausdrücklich so vorgesehen.
