District Six liegt östlich des Zentrums, am Fuß des Devil's Peak. Die Grenzen sind schnell aufgezählt: Sir Lowry Road im Norden, Buitenkant Street im Westen, Philip Kgosana Drive den Hang hinauf, Mountain Road im Osten. Vom Rathaus läufst du in zehn Minuten hin. Auf der Karte steht dann meist ein anderer Name.
Zonnebloem nämlich. So benannte die Regierung das Gebiet 1970 um, nach einer Farm des 18. Jahrhunderts, und der Zensus führt es bis heute unter diesem Namen. Am 17. Dezember 2019 ließ der Minister für Kunst und Kultur die Bezeichnung District Six wieder im Staatsanzeiger eintragen, doch in Datenbanken, Adressen und Verkehrsmeldungen hält sich Zonnebloem hartnäckig. Der alte Name ist übrigens banaler, als er klingt. 1867 war das schlicht der sechste Stadtbezirk von Kapstadt, durchnummeriert wie die anderen fünf.
Was ab 1966 geschah
Am 11. Februar 1966 erklärte die Regierung District Six nach dem Group Areas Act von 1950 zum Gebiet für Weiße. Geräumt wurde ab 1968, abgerissen bis 1982. Die Bulldozer nahmen erst die Häuser, dann die Straßen und die Bürgersteige, und über die Fläche wurde Gras gesät. Stehen blieben allein die Gotteshäuser.
Wie viele Menschen weichen mussten, hängt davon ab, welche Quelle du liest. Die Spanne ist groß. Der Stadtingenieur S. S. Morris bezifferte die Bevölkerung des betroffenen Gebiets 1966 auf 33.446, davon 31.248 nicht als weiß eingestufte. Das District Six Museum und South African History Online nennen für den gesamten Vorgang bis 1982 mehr als 60.000 Vertriebene. Die englische Wikipedia führt beide Größenordnungen nebeneinander.
Die Zahlen widersprechen sich weniger, als es aussieht. Die eine ist eine Momentaufnahme von 1966. Die andere summiert vierzehn Jahre Räumung, in denen die Menschen nach und nach gingen. Wer eine einzige Zahl nennt, sollte dazusagen, welche.
Ein Detail wird selten erzählt. Von den 3.695 Grundstücken im Viertel gehörten zum Zeitpunkt der Proklamation 2.076 weißen Eigentümern, 948 als „coloured“ eingestuften und 671 indischen. Der Grundbesitz war also schon vorher mehrheitlich in weißer Hand; vertrieben wurden vor allem die Mieter. Sie kamen in die Cape Flats, rund 25 Kilometer weiter draußen, in Siedlungen wie Hanover Park, Lavender Hill und später Mitchells Plain.
Warum die Fläche leer blieb
Für ein Hanggrundstück mit Blick auf den Hafen, zehn Gehminuten vom Rathaus, sind fünfzig Jahre Brache eine merkwürdige Sache. Die Regierung wollte durchaus bauen. Sie kam nicht dazu. Crain Soudien, emeritierter Professor der Universität Kapstadt, nennt den Grund: Die Fläche sei von den Menschen zu „gesalzener Erde“ erklärt worden, zu einem moralischen Symbol, so stark, dass nicht einmal der Apartheidstaat auf dem Höhepunkt seiner Macht dort einfach neu bauen konnte.
Praktisch hieß das internationaler und lokaler Druck, dazu ab den achtziger Jahren die Kampagne „Hands Off District Six“, die private Investoren von dem Gelände fernhielt. Gebaut wurde am Ende nur zweierlei: Wohnungen für Polizei und Militär und ab 1979 der Campus des Cape Technikon, damals eine Hochschule allein für weiße Studierende, heute die Cape Peninsula University of Technology mit überwiegend schwarzer Studentenschaft. Und die Gemeinden blieben. St Mark's, die anglikanische Kirche mit Taufregistern ab 1871, überstand die Abrisse und hat bis heute eine Gemeinde. Am 31. März 2023 erklärte der Staat acht Orte in District Six zu nationalen Denkmälern, darunter die Al-Azhar-Moschee an der Aspeling Street, die Zeenatul-Islam-Moschee in der Muir Street, die Moravian Church, zwei Schulen, der jüdische Friedhof und die Seven Steps.
Die Rückgabe, seit 1998
1998 lief die Frist, Ansprüche anzumelden. 1.165 der Berechtigten entschieden sich für eine Wohnung im Viertel statt für Geld. Am 11. Februar 2004, auf den Tag 38 Jahre nach der Proklamation, übergab Nelson Mandela die ersten Schlüssel an zwei Rückkehrer: Ebrahim Murat, damals 87, und Dan Ndzabela, 82. Von 1.600 Familien binnen drei Jahren war die Rede.
Gebaut wurde in drei Abschnitten. 2008 wurden 24 Wohnungen fertig, 2013 kamen 115 dazu, 2022 weitere 108 an der New Hanover Street und der Russell Street. Das sind 247 Einheiten von 1.165, und im Oktober 2025 warteten noch 918 Familien. Der Land Claims Court beschäftigt sich seit Jahren damit. Am 20. März 2019 stellte Richter Jody Kollapen fest, der Staat verletze seine verfassungsrechtliche Pflicht zur Restitution, und gab dem Ministerium drei Monate für einen Plan. Im August 2019 stellte dasselbe Gericht fest, dass der Plan ausblieb, und verurteilte die damalige Ministerin persönlich zu den Verfahrenskosten.
Im Oktober 2025 bezifferte das Ministerium den Bedarf für die restlichen Häuser auf 2,2 Milliarden Rand; gesichert waren davon 684 Millionen aus einem Zuschuss der Restitutionskommission. Als Zieldatum steht November 2028 im Raum. Der vierte Bauabschnitt mit 149 Einheiten war zu diesem Zeitpunkt nicht begonnen. Wer heute über das Gelände fährt, sieht deshalb drei Dinge nebeneinander: Gras, den Campus und ein paar Straßenzüge neuer Reihenhäuser.
Das Museum in der Buitenkant Street
Das District Six Museum hat seine Adresse in der Buitenkant Street 25A, in einer ehemaligen Methodistenkirche am Rand des Zentrums. 1988 fand in diesem Gebäude die Konferenz „Hands Off District Six“ statt, ein Jahr später entstand daraus die Museumsstiftung, und 1994 öffnete die erste Ausstellung. Schräg gegenüber, in der Nummer 15, betreibt das Museum zusätzlich das Homecoming Centre.
Das Herzstück liegt auf dem Boden. Über den Saal spannt sich eine große Karte des alten Viertels, und darauf haben ehemalige Bewohner mit der Hand eingetragen, wo ihr Haus stand und wie die Familie hieß. Die Karte ist kein fertiges Exponat, sondern eine Sammlung, die weiter beschrieben wird. An den Wänden hängen originale Straßenschilder aus den abgerissenen Straßen, dazu Papiere, Fotos und die Verfügungen, mit denen das alles angeordnet wurde.
Wie du dich dort bewegst
Durch das Gebiet fährt genau eine MyCiTi-Linie, die 102, mit den Haltestellen District Six, Zonnebloem, Hanover Street und CPUT, im Wesentlichen im Halbstundentakt. Zum Museum kommst du vom Zentrum zu Fuß. Über die offene Fläche selbst führt kaum ein Weg, und allein hinüberzulaufen ist keine gute Idee, schon gar nicht mit sichtbarer Kamera und nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Bleib auf den Straßen, oder nimm den Bus. Das Gebiet gehört zum Polizeirevier Cape Town Central, dessen Fallzahlen für die gesamte Innenstadt gelten und über einzelne Ecken wenig aussagen.
Noch eine Sache zum Straßennamen. Am Heritage Day 2019 benannte die Stadt die Keizersgracht in Hanover Street um, nach der Hauptstraße des alten Viertels. Nur verläuft diese Straße nicht dort, wo die alte lag. Sie wurde erst in den achtziger Jahren angelegt, als das Straßennetz längst zerstört war, und liegt gut einen Block weiter oben. Das Museum hatte deshalb vorgeschlagen, sie New Hanover Street zu nennen. Wenn du also auf ein Schild mit der Aufschrift Hanover Street schaust, stehst du nicht auf der Hanover Street, um die es geht.
- Vom Zentrum
- 1,0 kmLuftlinie zur Grand Parade
- MyCiTi
- fährtLinie 102
- Unterkünfte
- 1 Haus
Unser TippLauf nicht über die Fläche, sondern nimm die MyCiTi-Linie 102: Sie fährt mit den Haltestellen District Six, Zonnebloem, Hanover Street und CPUT quer durch das Gebiet, und aus dem Fenster bekommst du in ein paar Minuten ein Gefühl dafür, wie groß die Lücke wirklich ist.
Sicherheit in District Six
Zuständig ist das Polizeirevier Cape Town Central. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für District Six allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.
- Morde
- 7
- Straßenraub
- 1.428ohne Waffe
- Raub mit Waffe
- 516auch Überfälle auf Fahrzeuge
- Autoraub
- 16
- Wohnungseinbruch
- 206
Gemeldete Fälle im Revier Cape Town Central, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.
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Preise prüfen bei trivagoDistrict Six: häufige Fragen
Warum ist District Six in Kapstadt bis heute größtenteils leer?
Nach dem Abriss zwischen 1968 und 1982 blieb die Fläche von District Six unbebaut, weil internationaler und lokaler Druck sowie die Kampagne „Hands Off District Six“ private Investoren fernhielten. Der emeritierte UCT-Professor Crain Soudien beschreibt das Gelände als von den Menschen zu „gesalzener Erde“ erklärt, als moralisches Symbol, an das sich selbst der Apartheidstaat nicht heranwagte. Gebaut wurden nur der Campus des Cape Technikon und Wohnungen für Polizei und Militär.
Wie viele Menschen wurden aus District Six vertrieben?
Die Angaben gehen auseinander. Der Stadtingenieur S. S. Morris bezifferte die Bevölkerung des betroffenen Gebiets 1966 auf 33.446, davon 31.248 nicht als weiß eingestufte. Das District Six Museum und South African History Online nennen für den gesamten Vorgang bis 1982 mehr als 60.000 Vertriebene. Die erste Zahl ist eine Momentaufnahme, die zweite umfasst vierzehn Jahre Räumung.
Heißt das Viertel jetzt District Six oder Zonnebloem?
Beides ist im Umlauf. Die Regierung benannte District Six 1970 in Zonnebloem um, und der südafrikanische Zensus führt das Gebiet weiter unter diesem Namen. Am 17. Dezember 2019 ließ der Minister für Kunst und Kultur die Bezeichnung District Six wieder im Staatsanzeiger eintragen, doch in Adressen und Datenbanken taucht Zonnebloem weiterhin auf.
Sind ehemalige Bewohner nach District Six zurückgekehrt?
Ja, aber wenige. Von 1.165 Anspruchsberechtigten, die sich für eine Wohnung in District Six statt für Geld entschieden, haben 247 Familien eine bekommen: 24 im Jahr 2008, 115 im Jahr 2013 und 108 im Jahr 2022. Im Oktober 2025 warteten nach Angaben des zuständigen Ministeriums noch 918 Familien, als Zieldatum für den Rest steht der November 2028 im Raum.
Was zeigt das District Six Museum?
Das District Six Museum in der Buitenkant Street 25A in Kapstadt sitzt in einer ehemaligen Methodistenkirche und eröffnete 1994. Sein bekanntestes Stück ist eine große Karte des alten Viertels auf dem Fußboden, in die ehemalige Bewohner handschriftlich eingetragen haben, wo ihr Haus stand und wie ihre Familie hieß. Dazu kommen originale Straßenschilder aus den abgerissenen Straßen.