Woodstock beginnt gleich hinter dem Bahndamm östlich der Innenstadt und zieht sich am Fuß des Devil's Peak entlang. Zwei Achsen halten es zusammen, die Victoria Road oben am Hang und die Albert Road unten an der Bahn. Dazwischen ein Raster aus schmalen Straßen, viktorianische Reihenhäuser neben Werkhallen, alle paar Blocks eine Fabrik, in der heute Büros sind. Mit dem Vorortzug bist du vom Hauptbahnhof in wenigen Minuten hier.
Der Zensus 2011 zählte 9.345 Menschen auf 3,10 Quadratkilometern. Vorher hieß der Ort Papendorp, nach einem Siedler des 18. Jahrhunderts, und 1867 stimmten die Bewohner über den neuen Namen ab, und zwar in der Bar des Woodstock Hotel. Bis in die vierziger Jahre war das hier ein Seebad, mit einem Pavillon für Badegäste und einer Straße am Wasser, die Beach Road hieß.
Dann kam der Hafen. Für den Duncan Dock schüttete eine niederländische Firma ab Dezember 1937 rund 194 Hektar der Table Bay zu, fertig wurde die Fläche 1945. Woodstock verlor damit sein Meer, und die Beach Road führt seitdem an Gewerbeflächen entlang. Ein Stück weiter, an der Treaty Road, steht noch der weiße Milchholzbaum, unter dem die Niederländer am 10. Januar 1806 nach der Schlacht bei Blaauwberg die Kolonie an die Briten übergaben.
Das Viertel, das gemischt blieb
Nebenan lag District Six, aus dem ab 1968 rund 60.000 Menschen vertrieben wurden. In Woodstock geschah das nicht in dieser Form. Viele Mietwohnungen, viel Industrie, Familien verschiedener amtlicher Einstufung im selben Block: In den siebziger und achtziger Jahren galt das Viertel als graue Zone, in der als coloured und als schwarz eingestufte Menschen weiter wohnen konnten. Dazu kam eine portugiesische Zuwanderung, 675 Menschen von Madeira zwischen 1940 und 1980, weshalb ein Teil des Viertels Little Madeira genannt wurde. Deshalb steht die alte Bausubstanz noch, und deshalb sieht Woodstock heute so aus, wie es aussieht.
Ganz so glatt ist die Sache allerdings nicht. Die englische Wikipedia schreibt, Woodstock sei der Anwendung des Group Areas Act entgangen. South African History Online schreibt, bis 1979 sei in Stadtnähe nur noch ein kleiner Teil von Woodstock nicht proklamiert gewesen, und im Umkehrschluss heißt das: Der Rest war es. Beide Sätze stehen so in den Quellen. Wer dir erzählt, Woodstock sei einfach verschont geblieben, erzählt die bequemere Fassung.
Wandbilder, Designläden, Räumungsbescheide
Seit Ende der neunziger Jahre ziehen Kreativbetriebe in die billigen Hallen. 2006 begann in einer 1914 errichteten Keksfabrik von Pyotts an der Albert Road der Neighbourgoods Market, der Komplex heißt heute Old Biscuit Mill. Dazu kamen Galerien, Möbelhäuser, Restaurants und die Wandbilder, für die Touren verkauft werden. Die Mieten stiegen mit.
Was das für die Alteingesessenen heißt, lässt sich an einer einzigen Straße nachlesen. In der Bromwell Street kaufte 2013 eine Entwicklungsfirma eine Reihe Cottages für rund 3,15 Millionen Rand. Die Mieter sollten raus, als Ersatz bot die Stadt Blikkiesdorp, Wolwerivier und Mfuleni an, alles weit draußen am Stadtrand. 2017 ordnete das Western Cape High Court die Räumung an.
Am 20. Dezember 2024 kippte das Verfassungsgericht das. Es erklärte das Notunterkunftsprogramm der Stadt für verfassungswidrig, untersagte die Räumung und verpflichtete die Stadt, Ersatzwohnraum in Woodstock, Salt River oder so nah wie möglich an der Bromwell Street zu schaffen. Passiert ist seitdem wenig. Einen Entwurf für die geforderte Regelung legte die Stadt erst am 2. Februar 2026 vor, Kommentarfrist bis zum 2. März 2026, und die gerichtliche Frist wurde verlängert. Im Februar 2026 wohnten die Familien immer noch in der Bromwell Street.
Ein paar Straßen weiter steht das alte Woodstock Hospital, seit 2017 besetzt. Die Bewohner nennen es Cissie Gool House, im Dezember 2025 lebten dort über 800 Menschen. Am 4. Dezember 2025 beschloss der Stadtrat im Grundsatz, das Gelände zu verkaufen und rund 500 Wohnungen bauen zu lassen, ein Teil davon gefördert. Eine Massenräumung im Stil der Apartheid werde es nicht geben, sagte der zuständige Stadtrat; die Besetzer bestehen darauf, dass niemand gehen muss.
Was aus den versprochenen Sozialwohnungen wurde
Im Juli 2017 benannte die Stadt elf innerstädtische Grundstücke in Woodstock, Salt River und im Zentrum für geförderten Wohnraum, darunter Pine Road, Dillon Lane, das alte Krankenhaus und den Salt River Market. Bis zu 4.000 Haushalte sollten davon profitieren, Pine Road und Dillon Lane gingen 2019 an Bauträger.
Neun Jahre später ist auf keinem dieser Grundstücke in Woodstock oder Salt River eine Sozialwohnung fertig. Im Juli 2025 hielt GroundUp fest, dass auf Pine Road und Dillon Lane noch nicht einmal begonnen worden war, und die einzige Fertigstellung des Programms steht seit März 2023 in Maitland, außerhalb des Viertels. Der erste Spatenstich im Programmgebiet soll der Salt River Market werden: übergeben am 8. Juni 2026, Bau angekündigt für Oktober 2026, fertig im August 2028.
Wie du dich hier bewegst
Vom Zentrum kommst du mit dem Vorortzug oder mit MyCiTi. Die Trunk-Station Woodstock liegt am Nelson Mandela Boulevard, durch das Viertel selbst fahren die Quartierlinien 102 und 261, die 261 mit Halt an der Biscuit Mill. Am 29. Juli 2026 hat die Stadt zusätzliche feste Haltestellen in Woodstock angekündigt. Zu Fuß ins Zentrum ist vom westlichen Rand aus machbar, der Weg führt aber an unbelebten Ecken vorbei.
Für die Sicherheitsfrage gibt es harte Zahlen, aber sie sind gröber, als sie aussehen. Das Revier Woodstock deckt neben Woodstock auch Salt River ab und meldet für April 2025 bis März 2026 elf Morde, 222 Raubüberfälle unter erschwerenden Umständen, 111 Wohnungseinbrüche und 3.541 Delikte. Diese Zahlen gelten für das ganze Revier, nicht für Woodstock allein. Tagsüber ist rund um die Albert Road viel los, abends und in den Querstraßen dünnt es schnell aus, und dann nimmst du besser ein Taxi über eine App.
- Vom Zentrum
- 1,9 kmLuftlinie zur Grand Parade
- Einwohner
- 9.345Zensus 2011, sub place Woodstock
- MyCiTi
- fährtLinien 102, 261, D05, T01 und weitere
- Unterkünfte
- 2 Häuser
Unser TippGeh die zehn Minuten zum Treaty Tree an der Treaty Road: Unter diesem Milchholzbaum wurde am 10. Januar 1806 das Kap an die Briten übergeben, und derselbe Baum diente nach der Überlieferung bis 1834 als Ort, an dem Versklavte verkauft wurden.
Sicherheit in Woodstock
Zuständig ist das Polizeirevier Woodstock. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für Woodstock allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.
- Morde
- 11
- Straßenraub
- 251ohne Waffe
- Raub mit Waffe
- 222auch Überfälle auf Fahrzeuge
- Autoraub
- 23
- Wohnungseinbruch
- 111
Gemeldete Fälle im Revier Woodstock, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.
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Preise prüfen bei trivagoWoodstock: häufige Fragen
Warum blieb Woodstock unter der Apartheid gemischt?
Woodstock in Kapstadt war ein Viertel mit vielen Mietwohnungen und viel Industrie und galt in den siebziger und achtziger Jahren als graue Zone, in der als coloured und als schwarz eingestufte Menschen weiter wohnen konnten. Massenvertreibungen wie im benachbarten District Six gab es dort nicht. South African History Online schreibt allerdings, bis 1979 sei nur noch ein kleiner Teil von Woodstock nicht als Gruppengebiet proklamiert gewesen.
Ist Woodstock in Kapstadt sicher?
Für Woodstock gibt es Zahlen des gleichnamigen Polizeireviers, das auch Salt River abdeckt: April 2025 bis März 2026 elf Morde, 222 Raubüberfälle unter erschwerenden Umständen, 111 Wohnungseinbrüche, 3.541 Delikte. Sie gelten für das ganze Revier, nicht für Woodstock allein. Tagsüber ist die Albert Road belebt, abends solltest du in den Querstraßen nicht zu Fuß unterwegs sein.
Was ist die Old Biscuit Mill in Woodstock?
Die Old Biscuit Mill an der Albert Road in Woodstock ist eine 1914 gebaute Keksfabrik der Firma Pyotts, die zu einem Gelände mit Läden, Werkstätten und Restaurants umgebaut wurde. Seit 2006 findet dort der Neighbourgoods Market statt, der Woodstock als erstes über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat.
Worum geht der Streit in der Bromwell Street?
In der Bromwell Street in Woodstock kaufte 2013 eine Entwicklungsfirma mehrere Cottages und wollte die langjährigen Mieter räumen lassen; als Ersatz bot die Stadt Kapstadt Unterkünfte am weit entfernten Stadtrand an. Am 20. Dezember 2024 erklärte das Verfassungsgericht das Notunterkunftsprogramm der Stadt für verfassungswidrig und verbot die Räumung, bis Ersatz in Woodstock, Salt River oder in der Nähe bereitsteht.
Sind die 2017 angekündigten Sozialwohnungen in Woodstock gebaut worden?
Nein. Die Stadt Kapstadt hatte im Juli 2017 elf innerstädtische Grundstücke in Woodstock, Salt River und im Zentrum für geförderten Wohnraum benannt, unter anderem Pine Road, Dillon Lane und den Salt River Market. Bis Mitte 2026 war dort keine einzige Sozialwohnung fertig. Als erstes Bauvorhaben wurde der Salt River Market am 8. Juni 2026 übergeben, mit angekündigtem Baubeginn im Oktober 2026.