Das Haus steht seit dem 13. November 1995 an der Dock Road an der Waterfront, mit über 300 Arten und rund 8.000 Tieren. Etwa sechzig Menschen arbeiten dort fest, dazu kommen Ehrenamtliche. Neben dem Aquarium steht eine gemeinnützige Stiftung, die die Bildungs- und Schutzarbeit trägt. Für deren Gründung nennt das Haus zwei Jahre, 2018 im Pressebereich und 2019 auf der Seite der Stiftung selbst.
Der Name behauptet mehr, als die Geografie hergibt
Das Aquarium schreibt auf seiner eigenen Seite, die Südspitze Afrikas sei der Treffpunkt von Indischem Ozean und Atlantik. So sauber ist das nicht. Wo die Grenze zwischen kaltem und warmem Wasser tatsächlich liegt und warum sie wandert, steht unter Umgebung.
Das Interessante ist, dass die Ausstellung es selbst besser weiß. Die Diversity Gallery erklärt die Küste nicht über zwei Ozeane, sondern über zwei Strömungen, die kalte Benguela und die warme Agulhas. Nach diesen beiden ist das ganze Haus gebaut, ein kalter Teil und ein warmer, und in dieser Fassung stimmt die Geschichte auch.
Der Kelpwald
Der Kelpwald ist der Grund, warum viele wiederkommen. Drei Arten wachsen darin, Seebambus, Split-Fan-Kelp und Blasenkelp, und dazwischen stehen Meeräschen, Strepies und gefleckte Gully-Haie im Wasser. Am Grund sitzen Abalone, Seeigel und Felsenhummer zwischen den Haftorganen. Das Haus nennt das Becken an einer Stelle das einzige der Südhalbkugel unter freiem Himmel, an anderer Stelle das einzige des Kontinents.
Warum der Kelp vor Kapstadt so dicht wächst, hängt an demselben Wind, der die Seilbahn stoppt. Der Südost schiebt das warme Oberflächenwasser von der Küste weg, kaltes Tiefenwasser steigt nach, und mit ihm die Nährstoffe. Deshalb zieht sich der Wald von Kap Agulhas bis nach Zentralnamibia. Was draußen der Wind macht, machen im Becken ein Wellenstößel, eine Umwälzpumpe mit rund 70.000 Litern in der Stunde und Kippkästen, die Wasser in Schüben hineinstürzen lassen.
Und der Wald arbeitet für das Haus. Kelp lebt von den Abfallstoffen der Fische, allen voran Ammoniak, und reinigt dabei das Wasser. Das Becken hat deshalb die beste Wasserqualität im Haus. Wenn im Hafen eine Algenblüte abstirbt und das Wasser kippt, läuft der Zulauf für die kleinen Becken zuerst durch den Kelpwald. Nachgepflanzt wird regelmäßig: Taucher holen die Pflanzen an den Riffen vor Robben Island und Bantry Bay, bis zu fünfzehn Stück je Fahrt.
Das Ocean Exhibit und die Haie
Das I&J Ocean Exhibit zeigt die warme Ostküste. 1,6 Millionen Liter bei 20 bis 24 Grad, sechs Meter tief, mit einem zehn Meter langen Tunnel und einer Scheibe von neun Metern Breite und vier Metern Höhe, die 22 Tonnen wiegt. Darin schweben Rochen über den Köpfen, dazu Musselcracker und grüne Meeresschildkröten. Es ist das Becken, in dem die großen Schildkröten vor ihrer Freilassung wieder Kraft in die Flossen bekommen.
Haie gibt es, aber nicht die aus dem Kino. Im Becken der Save Our Seas Foundation stehen Sandtigerhaie in der Strömung, breitmäulig und langsam, dazu Gelbschwanzmakrelen, Kob, Gelbbauch-Rockcod und Meeräschen. Diese Haie bleiben nicht für immer. Das Aquarium markiert sie und setzt sie später wieder aus, und die Daten gehen in die Forschung.
Die Schildkröten
Das Turtle Conservation Centre ist seit 2020 das Vorzeigeprojekt der Stiftung, und es hat einen physischen Grund, dass es ausgerechnet in Kapstadt steht. Unechte Karettschildkröten und Lederschildkröten legen ihre Eier von Oktober bis Februar an den Stränden im nördlichen KwaZulu-Natal. Die Jungtiere geraten in die warme Agulhasströmung nach Süden. Vor Cape Point dreht diese Strömung ab, und wer zu schwach ist, wird ins kalte Wasser gespült und strandet an der Westkap-Küste.
Von Lambert's Bay bis Gqeberha hängt daran ein Netz aus Naturschutzgruppen, Gemeinden und Anwohnern, die die Tiere finden und melden. Eine normale Saison bringt etwa 250 Jungtiere. Dann kam der April 2024. Am 7. April lagen 22 Tiere in der Station, am 8. April waren es 144, am 15. April 417, und das letzte, das im Mai eintraf, trug die Nummer 606.
Das Haus veröffentlicht die unangenehmen Zahlen mit. 71 Prozent der angelieferten Jungtiere hatten in freier Natur Plastik gefressen. Wieder freigelassen werden nach eigenen Angaben 85 von 100 Tieren, seit 1995 zusammen über tausend, mehr als die Hälfte davon in den letzten vier Jahren vor dieser Angabe. Die größeren Tiere bekommen einen Satellitensender, die kleinen eine Flossenmarke.
Wie weit das führen kann, zeigt eine Unechte Karettschildkröte namens Yoshi. Sie kam tellergroß und mit vielleicht drei Kilogramm ins Haus und wog bei ihrer Freilassung im Dezember 2017 nach zwanzig Jahren 183 Kilogramm. Danach schwamm sie in 1.003 Tagen über 40.011 Kilometer: die Westküste hinauf bis Angola, zurück ums Kap und quer durch den Indischen Ozean bis an den Eighty Mile Beach in Westaustralien. Dort setzte sich der Sender ab, und dort blieb sie.
AchtungWenn du am Strand eine gestrandete Meeresschildkröte findest, setz sie nicht zurück ins Wasser. Ein geschwächtes Tier kann nicht schwimmen und ertrinkt. Melde den Fund unter 083 300 1663, geprüft im August 2026, und warte, bis jemand kommt.
Pinguine, Frösche und der Rest des Hauses
Im Pinguinbereich leben afrikanische Brillenpinguine und gerettete Nördliche Felsenpinguine, letztere weit weg von ihren Inseln im Südatlantik. Daneben stehen Becken mit Tieren aus den Flüssen der Region: Westliche Leopardkröten, Krallenfrösche und heimische wie eingeschleppte Süßwasserfische. Über der Felsenpinguin-Kolonie gibt es einen Beobachtungsstand zum Hinsetzen.
Den Tagesablauf gibt die Fütterung vor. Mittags wird jeden Tag in einem anderen Becken gefüttert, montags, mittwochs und freitags im Ocean Exhibit, dienstags, donnerstags und sonntags im Kelpwald, samstags bei den Haien. Die Pinguine bekommen vormittags und nachmittags ihr Futter, dazwischen laufen Puppenspiele für Kinder. Offen ist das Haus an jedem Tag des Jahres.
Seit Mai 2025 wird umgebaut, angesetzt war rund ein Jahr. Das Aquarium bleibt geöffnet, aber die Termine hinter den Kulissen sind ausgesetzt, also die Begegnungen mit den Pinguinen und die Tauchgänge in den großen Becken. Am 27. August 2026 stand das so noch auf der Seite des Hauses. Wenn du wegen eines dieser Termine kommst, frag vorher nach.
Für wen sich das lohnt und für wen nicht
In einer Stadt, in der Pinguine am Strand stehen und Robben im Hafenbecken liegen, muss ein Aquarium sich rechtfertigen. Zwei Dinge kann es, die draußen nicht gehen. Du siehst den Kelpwald von innen, ohne zwölf Grad kaltes Wasser und ohne Neopren, und du siehst, was mit den Tieren passiert, die es nicht allein schaffen. Beides bleibt hängen, gerade bei Kindern.
Wer taucht oder in der False Bay schnorchelt, braucht das Becken nicht. Wer zwei Tage in Kapstadt hat und die Wahl zwischen dem Aquarium und der Fahrt zu den Pinguinen bei Simon's Town, fährt hinaus. Voll wird es an Regentagen, an Wochenenden und in den südafrikanischen Schulferien, denn dann kommt die halbe Stadt. Ein Südost-Tag, an dem die Seilbahn steht, ist der beste Grund, hierher auszuweichen.