Delft liegt rund 26 Kilometer östlich des Zentrums, gleich neben dem Flughafen, zwischen Belhar und Blue Downs, gut siebeneinhalb Kilometer von Bellville. Der Zensus 2011 zählte 152.030 Menschen auf 11,08 Quadratkilometern, rund 51 Prozent davon als coloured erfasst und rund 46 Prozent als schwarz. Ein MyCiTi fährt nicht hierher, die nächste Haltestelle des Netzes steht gut viereinhalb Kilometer entfernt am Flughafen und wird nach der Linienübersicht von MyCiTi am 27. August 2026 von keiner Linie bedient, und Delft steht nicht auf der Liste der Gebiete, die der Ausbau bis 2027 anschließen soll.
Angelegt wurde Delft 1989, und dieses Datum ist der eigentliche Punkt. Fast alle Townships Kapstadts sind älter: Langa 1927, Nyanga 1946, Khayelitsha ab 1985. Delft entstand am Ende der Apartheid, als sogenanntes integriertes Erschließungsprojekt, und zwar von Anfang an für als coloured und für als schwarz eingestufte Bewohner gemeinsam. Getrennte Gebiete für getrennte Gruppen waren jahrzehntelang das Prinzip des Group Areas Act, und Delft folgte ihm nicht mehr. Sieben Abschnitte kamen nach und nach dazu: Delft South, Voorbrug, Leiden, Eindhoven, Roosendal, The Hague und zuletzt Symphony. In Delft South wird überwiegend isiXhosa gesprochen, in Leiden gemischt, in den übrigen Teilen vor allem Afrikaans.
Die Namen sind niederländische Städtenamen, der des Ortes eingeschlossen. Wer sie ausgesucht hat und warum, steht in den zugänglichen Quellen nicht. Der Ort ist bis heute in Bewegung: 2022 war Delft die am schnellsten wachsende Gemeinde Kapstadts.
N2 Gateway, das größte Wohnungsbauprogramm des Landes
2004 begann an der N2 ein Programm, das die Wohnungsbauministerin Lindiwe Sisulu als das größte bezeichnete, das je eine südafrikanische Regierung angefasst habe. Umgesetzt hat es die staatsnahe Gesellschaft Thubelisha, geplant waren rund 25.000 Einheiten, und der Hauptstandort war Delft. Bis 2015 meldete die Regierung 14.000 fertige Häuser für rund 70.000 Menschen bei Kosten von zwei Milliarden Rand. Der Rechnungshof fand Missmanagement und Mängel in Planung, Buchführung, Entwurf und Bau.
Nach Delft kamen dabei zwei Gruppen: Menschen, die auf die Häuser warteten, und Menschen, die für den Bau anderswo weichen sollten, etwa aus der informellen Siedlung Joe Slovo in Langa. Für die zweite Gruppe richtete man Übergangslager ein, die offiziell Temporary Relocation Areas heißen. Sie stehen bis heute.
Der Streit um die Häuser, 2007 und 2008
Am 19. Dezember 2007 zogen rund 1.600 Haushalte in unfertige N2-Gateway-Häuser im Abschnitt Symphony ein. Vorausgegangen war, dass der zuständige Stadtrat Frank Martin an etwa 300 Familien Briefe ausgegeben hatte, in denen er ihnen den Einzug erlaubte und die Verantwortung dafür übernahm. Fast alle Einziehenden waren Hinterhofbewohner aus Delft selbst. Was dann folgte, ging fast zwei Monate lang hin und her.
Am 24. Dezember 2007 stoppte das Kapstädter High Court die Räumungen. Am 3. Januar 2008 hob es die Anordnung auf, unter der bereits geräumt worden war. Provinzregierung und Thubelisha beantragten daraufhin eine neue. Am 5. Februar 2008 gab ihnen Richter Deon van Zyl recht, wirksam ab dem 17. Februar, und ließ eine Berufung nicht zu. Am 19. Februar 2008 räumten Polizei und private Sicherheitsleute die Häuser; zwanzig Menschen kamen mit Verletzungen durch Gummigeschosse ins Krankenhaus, darunter ein dreijähriges Kind, das dreimal getroffen wurde.
Danach teilte sich die Gruppe. Rund 500 Familien bekamen Zelte in einem Übergangslager. Rund 500 weitere bauten Hütten auf dem Gehweg der Symphony Way, einer Straße mitten durch Delft, und blieben dort knapp zwei Jahre. Am 19. Oktober 2009 ordnete das Western Cape High Court die Räumung von 103 Familien an, im November zogen die meisten weiter. Ziel war ein Lager, das die Stadt schon 2007 auf gerichtliche Anordnung gebaut hatte.
Blikkiesdorp, das Provisorium
Das Lager heißt amtlich Symphony Way Temporary Relocation Area, und niemand nennt es so. Die Bewohner tauften es Blikkiesdorp, Blechdörfchen. Rund 1.600 einräumige Hütten aus dünnem verzinktem Wellblech, je achtzehn Quadratmeter, Wasch- und Toilettenräume für je vier Hütten. Gebaut hat es die Stadt 2007 für über 30 Millionen Rand. 2018 lebten dort rund 2.000 Familien. Gedacht war das Ganze als Übergang, und die Fläche soll später zu einer Erweiterung des Flughafens gehören.
Der Übergang zieht sich, weil der Wohnungsbau in Delft nicht vorankam. In Roosendal wurden 288 Einheiten im August 2016 fertig. Beim Abschnitt The Hague kündigte die Stadt im September 2017 den Vertrag über 1.012 Einheiten wegen schlechter Leistung des Bauunternehmens. Ein zweiter Abschnitt mit weiteren 1.100 Einheiten in The Hague und Eindhoven begann im Februar 2018 und geriet ins Stocken, weil Nachunternehmer Forderungen stellten.
Was die Bewohner selbst aufgebaut haben
Die Gruppe auf der Symphony Way organisierte sich, während sie dort wohnte. Es gab gewählte Ausschüsse: einen Vorstand, einen Kinderausschuss und eine nächtliche Streife gegen Einbrüche, dazu Abendversammlungen und eine Betreuung für die Kleinen. 2011 erschien ein Buch, das die Bewohner selbst geschrieben haben, unter dem Titel „No Land! No House! No Vote! Voices from Symphony Way“, mit einem Vorwort von Raj Patel und einer Einleitung von Miloon Kothari, dem früheren UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Wohnen. Es ist eine der wenigen Darstellungen einer Zwangsräumung in Kapstadt, die von den Geräumten stammt.
In Blikkiesdorp gibt es ein gewähltes Bewohnergremium, das Blikkiesdorp Joint Committee, das mit der Stadt über die Vergabe der Häuser verhandelt. 2018 zerfiel es in zwei konkurrierende Ausschüsse, und der Streit darüber, wer für die Bewohner spricht, wurde selbst zum Problem. Solche Gremien sind der Weg, auf dem in Delft Verwaltungsentscheidungen überhaupt bei den Betroffenen ankommen.
Wer heute in Delft wohnt, und was die Zahlen sagen
Über 150.000 Menschen, das ist der Zensus 2011, und seither sind es mehr geworden. Delft hat Schulen, Kliniken, Kirchen, Sportplätze, Läden und Werkstätten, gemauerte Reihenhäuser mit Zaun, Neubaugebiete und mittendrin die Blechreihen. Wer hier wohnt, arbeitet oft weit weg und fährt lange.
Zu den Fallzahlen weiter unten auf dieser Seite gehören mehrere Vorbehalte, und sie ändern nichts daran, dass die Zahlen hoch sind. Das Revier Delft meldete für den Zeitraum April 2025 bis März 2026 mit 239 Morden die höchste Zahl aller Reviere, die auf dieser Website geführt werden. Sie gilt für das gesamte Revier, das neben Delft auch Delft South, Eindhoven, Leiden, The Hague und Voorbrug umfasst. Es sind absolute Zahlen ohne Bezug auf die Einwohnerzahl. Und sie beschreiben, was die Menschen erleben, die hier wohnen. Für die Reviersliste gibt es nur eine Quelle, eine Gegenprobe fehlt. Wie diese Zahlen zu lesen sind, steht unter Sicherheit.
Hinkommen, und was ein Besuch bedeutet
Ohne Auto kommst du schlecht her. Kein MyCiTi, kein eigener Bahnhof, die Verbindung läuft über Golden Arrow und Minibusse. Auf eigene Faust durch die Wohnstraßen zu fahren ist keine gute Idee, weil du dort ortsfremd, sichtbar und ohne Bezug bist. Mit einer Führung, bei der jemand aus Delft dich begleitet, ist ein Besuch üblich. Frag vorher, wem der Betrieb gehört, ob die Guides hier wohnen und wo unterwegs Geld ausgegeben wird. Fotografiere Menschen nur, wenn du gefragt hast.
- Vom Zentrum
- 21,4 kmLuftlinie zur Grand Parade
- Einwohner
- 152.030Zensus 2011, main place Delft
- MyCiTi
- fährt nicht
Unser TippWenn eine Führung Blikkiesdorp auf der Route hat, frag, ob der Anbieter mit dem Bewohnergremium dort spricht und ob ihr aussteigt: Ein Notlager, das seit 2007 steht und in dem rund 2.000 Familien wohnen, ist kein Fotostopp aus dem Fenster.
Sicherheit in Delft
Zuständig ist das Polizeirevier Delft. Die Zahlen unten gelten für dieses Revier als Ganzes, nicht für Delft allein: Ein Revier deckt mehrere Viertel ab, und die verteilen sich innerhalb davon sehr ungleich.
- Morde
- 239
- Straßenraub
- 188ohne Waffe
- Raub mit Waffe
- 953auch Überfälle auf Fahrzeuge
- Autoraub
- 243
- Wohnungseinbruch
- 510
Gemeldete Fälle im Revier Delft, Geschäftsjahr 2025/2026. Quelle: Kriminalstatistik der südafrikanischen Polizei, aufbereitet von safesuburb.co.za. Wie diese Zahlen zu lesen sind und was im Alltag wirklich hilft, steht unter Sicherheit.
Delft: häufige Fragen
Wann und wofür wurde Delft angelegt?
Delft bei Kapstadt wurde 1989 angelegt, als eines der letzten großen Wohngebiete vor dem Ende der Apartheid. Es entstand als integriertes Erschließungsprojekt und war von Anfang an für als coloured und für als schwarz eingestufte Bewohner gemeinsam gedacht, was unter dem Group Areas Act zuvor nicht zulässig war. Damit ist Delft deutlich jünger als Langa, Nyanga oder Khayelitsha.
Woher kommen die Namen der Abschnitte in Delft?
Delft in Kapstadt ist in sieben Abschnitte geteilt: Delft South, Voorbrug, Leiden, Eindhoven, Roosendal, The Hague und Symphony. Bis auf Symphony sind das niederländische Städtenamen, und Delft selbst ist ebenfalls eine Stadt in den Niederlanden. Wer die Namen ausgesucht hat, ist in den zugänglichen Quellen nicht dokumentiert.
Was war der Streit um die N2-Gateway-Häuser in Delft?
Am 19. Dezember 2007 zogen in Delft rund 1.600 Haushalte in unfertige Häuser des Wohnungsbauprogramms N2 Gateway ein, nachdem ein Stadtrat rund 300 Familien schriftlich den Einzug erlaubt hatte. Nach mehreren gerichtlichen Kehrtwenden ordnete das Kapstädter High Court am 5. Februar 2008 die Räumung an, die am 19. Februar 2008 vollstreckt wurde. Zwanzig Menschen kamen mit Verletzungen durch Gummigeschosse ins Krankenhaus.
Was ist Blikkiesdorp?
Blikkiesdorp, auf Afrikaans Blechdörfchen, ist ein Übergangslager in Delft bei Kapstadt, das die Stadt 2007 auf gerichtliche Anordnung für über 30 Millionen Rand baute. Es besteht aus rund 1.600 einräumigen Wellblechhütten von je achtzehn Quadratmetern, mit Waschräumen für je vier Hütten. 2018 lebten dort rund 2.000 Familien, obwohl das Lager als Übergangslösung gedacht war.
Wie hoch ist die Kriminalität in Delft?
Das Polizeirevier Delft meldete für April 2025 bis März 2026 239 Morde und damit die höchste Zahl aller Reviere, die auf dieser Website geführt werden. Die Zahl gilt für das ganze Revier, zu dem auch Delft South, Eindhoven, Leiden, The Hague und Voorbrug gehören, sie ist eine absolute Zahl ohne Bezug auf die Einwohnerzahl, und sie beschreibt, was die Menschen an ihrem Wohnort erleben.