Philippi liegt rund sechzehn Kilometer südöstlich der Innenstadt, mitten auf den Cape Flats, südlich von Nyanga und östlich von Gugulethu. Der Zensus 2011 zählte 200.603 Menschen auf 47,96 Quadratkilometern. Das Viertel hat zwei Hälften, und sie sehen einander nicht ähnlich: im Osten Wohngebiete wie Brown's Farm, Philippi East und Samora Machel, im Westen Ackerland. Ein MyCiTi fährt bisher nicht hierher, die nächste Haltestelle liegt rund drei Kilometer entfernt.
Das ändert sich gerade. Für den 1. Juli 2027 ist der Fahrgastbetrieb der Phase 2A angekündigt, und Anfang September 2026 soll an der Govan Mbeki Drive der Bau einer Station beginnen, fertig bis Juli 2027. Sie heißt Hanover Park Station. Der Ortsname am Schild gehört also zu einem anderen Viertel, und das ist in Philippi kein Einzelfall.
Wer den Sand zum Tragen brachte
1833 ist hier zum ersten Mal eine Ansiedlung erfasst, und sie hieß Die Duine, die Dünen. Was dann kam, ist für deutsche Leser der unerwartetste Teil dieser Gegend. Zwischen 1860 und 1883 kamen in drei Gruppen deutsche Siedler ans Kap und ließen sich auf diesem Sand nieder, ein Teil von ihnen aus der Lüneburger Heide. Sie brachten dem Boden Gemüse bei, über drei Generationen hinweg, mit Anbauverfahren, die auf den Wind und den mageren Sand zugeschnitten waren. Die Wohngebiete im Osten sind viel jünger. Sie wuchsen ab Ende der siebziger Jahre und vor allem in den achtziger Jahren, als Menschen aus den überfüllten Townships und aus den Homelands des Ostkaps hierher zogen.
Die Philippi Horticultural Area
Der westliche Teil des Viertels heißt Philippi Horticultural Area, und er ist Ackerland mitten in der Stadt. Gut 3.000 Hektar sind es. In den sechziger Jahren war davon fast alles bestellt, 2018 waren es noch rund 1.884 Hektar, weil die Stadt die Siedlungsgrenze mehrfach verschoben und Flächen umgewidmet hat. Heute arbeiten dort 38 Betriebe, davon 20 im Gartenbau und 11 in der Viehhaltung.
Wie viel von Kapstadts Frischgemüse von hier kommt, hängt davon ab, wen du fragst. Verbreitet ist die Angabe von bis zu 80 Prozent, und das Umweltnetzwerk SAFCEI nennt dazu rund 100.000 Tonnen im Jahr. Andere Darstellungen sprechen von der Hälfte des Gemüses, das in Kapstadt gegessen wird. Beide Zahlen stammen aus Schätzungen, nicht aus einer Erhebung, und keine der beiden lässt sich gegen die andere ausspielen. Belegt ist der Rest: Eine Studie von 2018 rechnete für die Fläche mit rund 484 Millionen Rand direktem und 938 Millionen Rand indirektem Beitrag zur Regionalwirtschaft, mit 3.000 Arbeitsplätzen auf den Feldern und rund 30.000 daran hängenden.
Das Wasser unter den Feldern
Unter Philippi liegt der Cape Flats Aquifer, ein Grundwasserkörper von rund 630 Quadratkilometern. Nach Angaben von SAFCEI könnte er bis zu 30 Prozent des Trinkwassers der Stadt liefern. Das Problem ist die Neubildung: Der größte Teil der Fläche über dem Aquifer liegt inzwischen unter Asphalt und Beton, und Regen, der auf Asphalt fällt, läuft ab. Die Felder von Philippi gehören zu den letzten großen Flächen, über die sich dieser Speicher noch füllt. Ein Drittel der Fläche steht im Winter unter Wasser und ist saisonales Feuchtgebiet.
Wie viel das wert ist, hat die Dürre gezeigt. Während der Wasserkrise ging die Gemüseproduktion der Provinz um rund 20 Prozent zurück, in Philippi dagegen nicht, weil die Betriebe aus dem Aquifer beregneten und weiter drei bis vier Ernten im Jahr einbrachten. Das ist auch der Grund, warum der Streit um diese Fläche kein Streit um Kohl ist. Es geht um den Speicher darunter.
Der Rechtsstreit um die Bebauung
2011 legte ein Entwickler den Plan für Oakland City vor: 479 Hektar im Süden der Fläche, Wohnraum für 15.000 Familien, dazu Gewerbe, Industrie und Schulen, 77 Hektar für Naturschutz und Feuchtgebiete. Im Februar 2017 lehnte Heritage Western Cape einen Umwidmungsantrag der Uvest-Gruppe ab, für die Stadt aber nicht bindend. Im März 2017 wurde die Umweltgenehmigung erteilt. Dagegen zog die Philippi Horticultural Area Food and Farming Campaign vor Gericht, eine Bürgerinitiative um den Landwirt Nazeer Sonday, unterstützt von 33 Organisationen.
Am 18. Februar 2020 gab ihr das Western Cape High Court recht. Richterin Kate Savage hob zwei Entscheidungen auf, die des Provinzministers Anton Bredell und die des städtischen Berufungsausschusses, und schickte beide zurück. Die hydrologischen Gutachten seien viele Jahre alt gewesen, die Grundwasseruntersuchung völlig unzureichend, und keines der Papiere habe die Wirkung der Bebauung auf den Aquifer im Zusammenhang mit Wasserknappheit und Klimawandel geprüft. Der Ingenieurbericht habe sich mit dem Fernhalten von Verschmutzung befasst, nicht mit dem Erhalt und der Neubildung des Speichers.
Danach lief das Verfahren von vorn. Die öffentliche Kommentierung der neuen Umweltverträglichkeitsprüfung endete am 24. Februar 2021, der überarbeitete Bericht ging im November 2022 an den Provinzminister. Eine Entscheidung darüber ließ sich bis August 2026 nicht belegen. Parallel wollte die Firma Keysource Minerals, die zum Glasverpackungshersteller Ardagh gehört, auf 50 Hektar Silikatsand abbauen; das Wasserministerium lehnte die Wassernutzungslizenz ab, unter anderem wegen der Wirkung auf die Neubildung des Aquifers. Im Oktober 2023 legte die Firma beim Water Tribunal Widerspruch ein, verhandelt werden sollte im April 2024. Auch dieser Ausgang ist offen.
Warum hier keine Fallzahlen stehen
Auf jeder anderen Ortsseite dieser Website stehen die Zahlen des zuständigen Polizeireviers. Bei Philippi nicht, und der Grund ist eine Namensfalle. Es gibt SAPS-Wachen namens Philippi und Philippi East. Nach der Stadtteilliste, die diesen Wachen zugeordnet ist, deckt das Revier Philippi aber Hanover Park und Samora Machel ab, das Revier Philippi East deckt Heinz Park und Philippi East ab, und der Stadtteil Philippi selbst taucht in der Liste des Reviers Nyanga auf. Eine zweite Quelle nennt für Philippi dagegen das Revier Philippi.
Der Name einer Wache ist also kein Beleg dafür, dass sie für den gleichnamigen Stadtteil zuständig ist. Weil die Zahlen der infrage kommenden Reviere weit auseinanderliegen, steht hier keine. Eine falsche Zahl wäre schlimmer als keine. Wie Fallzahlen überhaupt zu lesen sind, steht unter Sicherheit.
Wer heute in Philippi wohnt, und was ein Besuch bedeutet
Gut 200.000 Menschen, das ist der Zensus 2011, und die meisten von ihnen wohnen im Osten. Brown's Farm, Philippi East, Samora Machel: gemauerte Häuser, informelle Siedlungen, Schulen, Kirchen, Werkstätten, Spaza-Läden. Ein paar Straßen weiter fängt das Ackerland an, und auf den Feldern arbeiten Leute, die zum Teil im selben Viertel wohnen. Diese Nachbarschaft aus Wohngebiet und Landwirtschaft gibt es sonst nirgends in Kapstadt.
Auf eigene Faust durch die Wohnstraßen zu fahren ist keine gute Idee, und der Grund ist kein statistischer: Du bist ortsfremd, sichtbar und ohne Bezug. Mit einer Führung, bei der jemand aus dem Viertel dich begleitet, ist ein Besuch dagegen üblich, häufig zusammen mit Nyanga oder Gugulethu. Frag vorher, wem der Betrieb gehört und ob die Guides hier wohnen. Fotografiere Menschen nur, wenn du gefragt hast.
- Vom Zentrum
- 16,5 kmLuftlinie zur Grand Parade
- Einwohner
- 200.603Zensus 2011, main place Philippi
- MyCiTi
- noch nichtPhase 2A, Betrieb angekündigt für 2027
Unser TippVerlass dich in Philippi nicht auf Namen: Die Polizeiwache Philippi ist nach der Reviersliste für Hanover Park und Samora Machel zuständig, der Stadtteil Philippi steht dagegen beim Revier Nyanga, und wenn du eine Adresse melden musst, frag vorher, welche Wache sie führt.
Philippi: häufige Fragen
Was ist die Philippi Horticultural Area?
Die Philippi Horticultural Area ist der westliche, landwirtschaftlich genutzte Teil von Philippi in Kapstadt: gut 3.000 Hektar Ackerland mitten auf den Cape Flats, auf denen 38 Betriebe Gemüse anbauen und Vieh halten. Die bewirtschaftete Fläche schrumpfte von fast 3.000 Hektar in den sechziger Jahren auf rund 1.884 Hektar im Jahr 2018.
Wer legte die Felder in Philippi an?
Die Felder von Philippi gehen auf deutsche Siedler zurück, die zwischen 1860 und 1883 in drei Gruppen ans Kap kamen, ein Teil von ihnen aus der Lüneburger Heide. Sie entwickelten über drei Generationen Anbauverfahren für den sandigen Boden der Cape Flats. Eine erste Ansiedlung an dieser Stelle ist schon für 1833 erfasst, damals unter dem Namen Die Duine.
Wie viel von Kapstadts Gemüse kommt aus Philippi?
Die Angaben schwanken. Verbreitet ist, dass die Philippi Horticultural Area bis zu 80 Prozent des Frischgemüses von Kapstadt liefert, andere Darstellungen sprechen von der Hälfte. Beides sind Schätzungen und keine Erhebung. Belegt ist ein direkter Beitrag von rund 484 Millionen Rand zur Regionalwirtschaft nach einer Studie von 2018.
Warum wird über die Bebauung der Felder in Philippi gestritten?
Unter Philippi liegt der Cape Flats Aquifer, ein Grundwasserspeicher von rund 630 Quadratkilometern, und die Felder sind eine der letzten großen Flächen, über die er sich noch füllt. Am 18. Februar 2020 hob das Western Cape High Court die Genehmigungen für das Bauvorhaben Oakland City auf, weil die Wirkung auf den Aquifer nicht geprüft worden war. Das Verfahren lief danach von vorn.
Welches Polizeirevier ist für Philippi zuständig?
Das ist offen, und der Reviername führt in die Irre. Nach der Stadtteilliste deckt die Wache Philippi die Viertel Hanover Park und Samora Machel ab, während der Stadtteil Philippi beim Revier Nyanga geführt wird; eine zweite Quelle nennt dagegen die Wache Philippi. Weil die Zahlen der Reviere weit auseinanderliegen, stehen für Philippi auf dieser Seite keine Fallzahlen.